Zumindest einer seiner zahlreichen Aufsichtsratsposten muss Cromme aber niederlegen. Das deutsche Aktienrecht begrenzt die Höchstzahl der Mandate auf zehn, der Aufsichtsratsvorsitz zählt dabei doppelt. Bei welchen Unternehmen Cromme aus dem Kontrollgremien ausscheiden wird, steht nach Angaben aus Unternehmenskreisen noch nicht fest. Seinen Aufsichtsrats-Vorsitz bei Thyssen-Krupp wird er aber auf jeden Fall behalten, stellte das Unternehmen am Freitag umgehend klar.
Unter Crommes Regie hat die Wirtschaft ein Regelwerk für gute und transparente Unternehmensführung und -kontrolle entwickelt, das international Anerkennung findet. Doch Cromme hält sich nicht immer an alle Empfehlungen, die der Kodex den Unternehmen macht. So soll es nicht die Regel sein, dass Vorstandsvorsitzende nach Ablauf ihrer Verträge nahtlos an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln.
Kritik zog Cromme zudem im Januar dieses Jahres auf sich, als der Großaktionär von Thyssen-Krupp, die Krupp-Stiftung, sich per Entsenderecht drei Aufsichtsratsposten sichert, was eine Übernahme des Stahlkonzerns beinahe unmöglich macht. Das Verhalten der Stiftung ist zwar völlig legal, wird aber sogar von einzelnen Mitgliedern der Corporate-Governance-Kommission abgelehnt. Cromme dagegen verteidigte die Satzungsänderungen in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Aufsichtsrats.
Viel gewichtiger aber in der jetzigen Situation: Seine Rolle bei Siemens ist umstritten. Cromme gehört dem Aufsichtsrat des Münchener Konzerns seit 2003 an und leitet den Prüfungsausschuss des Kontrollgremiums. In dieser Funktion hätten Cromme die Schmiergeldzahlungen schon früher auffallen können, kreidet man ihm im Siemens-Umfeld an.
