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22.07.2008 
Berentzen

Dallas und Denver in Haselünne

von Christoph Schlautmann

Der Verkauf ist geplatzt, drei Aufsichtsräte sind schon zurückgetreten und jetzt geht wohl auch noch Vorstandschef Axel Dahm - der Spirituosenhersteller Berentzen versinkt im Chaos.

DÜSSELDORF. Beim börsennotierten Spirituosenhersteller Berentzen spitzt sich die Lage weiter zu. Nachdem am vergangenen Mittwoch bereits drei Aufsichtsräte - darunter der Gremiumsvorsitzende Manfred Greune - überraschend ihren Rücktritt erklärten, wird am morgigen Mittwoch voraussichtlich auch Vorstandschef Axel Dahm, 45, sein Amt zur Verfügung stellen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen einer der drei beherrschenden Aktionärsfamilien, die gemeinsam über 100 Prozent der Stimmrechte verfügen. "Wir können diese Überlegungen weder dementieren noch bestätigen", sagte ein Firmensprecher im emsländischen Haselünne.

Schneller als erwartet würde Dahm damit zum Opfer der Ränkespiele zwischen den drei beherrschenden Großaktionärsfamilien. Die hatten den ehemaligen Novartis - und Reemtsma-Topmanager geholt, weil er schon einmal in der Zeit von 1993 bis 1997 als Geschäftsführer für sie gearbeitet hatte und den Laden kannte. Offenbar unterschätzte der Rückkehrer die Risiken seines neuen Dienstauftrags jedoch.

Hintergrund der geplanten Demission des seit Herbst 2006 amtierenden Vorstandsvorsitzenden ist die verfahrene Situation bei der defizitären Apfelkorn-Brennerei. Denn überraschend hatte die Mehrheit der beherrschenden Eigentümer vor sechs Tagen den über M. M. Warburg eingefädelten Verkauf der Traditionsfirma platzen lassen. Seither steckt der 186 Millionen Euro Umsatz schwere Schnapsbrenner, der auch Hochprozentiges wie Bommerlunder und Doornkaat anbietet, tief in der Krise.

Noch am Freitag zuvor hatten sich die drei Familienstämme Pabst & Richarz, Friedrich Berentzen und Dr. Hans Berentzen, die jeweils rund ein Drittel der Stimmrechte halten, scheinbar auf den Verkauf an einen ungenannten familiengeführten Finanzinvestor geeinigt. Dann aber zogen zwei der Berentzen-Stämme ihre Verkaufsbereitschaft zurück. Nach Angaben eines Aufsichtsrats erschien ihnen der Kaufpreis als zu niedrig, der nur knapp über dem aktuellen Börsenwert lag. Nach aktuellem Kurs sind die Vorzugsaktien, die 50 Prozent des Kapitals abdecken, zusammengerechnet 13,25 Millionen Euro wert. Für das Unternehmen müsse ein Käufer - neben der Schuldenübernahme - damit mindestens 26,5 Millionen Euro zahlen.

Das abrupte Ende der Verkaufsverhandlungen hat nun die kreditgebenden Banken alarmiert. Dem Spirituosenkonzern, so ein Familienmitglied, drohe ein finanzieller Engpass. Zwar sei Berentzen mit Hilfe seiner Kreditlinie diesen Monat noch in der Lage, die geforderten 20 Millionen Euro Branntweinsteuer zu zahlen. Für den Folgebetrag in zwei Monaten fehle aber bislang ein Finanzierungskonzept. Zu diesen Angaben aus dem Gesellschafterkreis sagte ein Firmensprecher lediglich: "Kein Kommentar." Schon aus haftungsrechtlichen Gründen könne Dahm dieser Situation, die durch die Blockade der beiden Berentzen-Stämme ausgelöst worden sei, nicht tatenlos zusehen, hieß es beim verkaufsbereiten Mitgesellschafter Pabst & Richarz.

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