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16.03.2005 
Beim weltgrößten Versicherer AIG beginnt eine neue Zeitrechnung. Der neue Chef ist eine Art Maurice Greenberg light.

Das Ende des Generaldirektors

von Tobias Moerschen und Caspar Dohmen

Maurice „Hank“ Greenberg ist ein kleiner, alter Mann. Sein Gang wirkt gebückt. Dennoch verbreitet der 79-jährige Ex-Chef des weltgrößten Versicherers AIG fast überall, wo er auftaucht, eine Aura der Autorität. Manchmal war er gar bedrohlich. Nun wurde er abberufen.

Seinen letzten großen Kampf hat der Mann, der die American International Group von einem obskuren Spezialversicherer in einen Weltmarktführer und eine der wertvollsten Börsengesellschaften der Welt verwandelte, verloren. Im Kampf gegen gleich drei US-Behörden, die die Geschäftspraktiken von AIG untersuchen, hat sich Greenberg mit seinem harten Stil ins Abseits manövriert.

Seit gestern amtiert nun Martin Sullivan als erst dritter Vorstandschef des fast 100 Jahre alten Versicherers mit Wurzeln in Schanghai. Die Laufbahn des 50-jährigen Briten erinnert an die des Vorgängers, obwohl Sullivan als milderer, freundlicherer Mann gilt, Greenberg light sozusagen. Sullivan trat bereits als Teenager bei AIG ein und leitete zuletzt das weltweite Sachversicherungsgeschäft als einer von zwei Co-Chief Operating Officers. „Sullivan hat das Blut der Gesellschaft wie Muttermilch aufgesogen“, sagt ein langjähriger AIG-Gefährte.

Mitarbeiter des Versicherers mit einem Börsenwert von mehr als 160 Milliarden Dollar und Aktivitäten in 130 Ländern reagierten bestürzt auf die Abberufung des Patriarchen. „Ich bin noch geschockt“, sagte ein Manager, der eng mit Greenberg zusammenarbeitete. Es habe noch keine interne Mitteilung über den Chefwechsel gegeben.

Greenberg mag viele Gesichter gehabt haben, auf der Arbeit zeigte er nur eines: das des knallharten Chefs. „Er hat mich mal gefragt, wie ich mit meinen Kollegen klar komme“, erzählt einer vom Alltag in der Chefetage. „Gut“ habe er geantwortet. Greenberg war nicht zufrieden: „Ihr sollt euch zanken.“

Greenberg regierte wie einst die Generaldirektoren, bei aller Härte kümmerte er sich auch intensiv um seine Mitarbeiter. „Als ein Manager in Hongkong an Krebs erkrankte, hat er ihm eine Behandlung in den USA vermittelt“, erzählt der frühere Weggefährte. Nach der Tsunami

-Katastrophe legte Greenberg 10 Millionen Dollar auf den Tisch und verdoppelte alle Mitarbeiterspenden.

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