Doch letztlich überwiegen die Erfolge bei weitem. Bis heute hat das Unternehmen bei fast 650 Transaktionen 28,3 Mrd. US-Dollar investiert. Mit einem verwalteten Kapital von 71,4 Mrd. US-Dollar zählt Carlyle zu den globalen Marktführern in der Private-Equity-Branche.
Kein Zweifel: Diese an konkreten Zahlen ablesbare Erfolgsstory ist eng mit dem Namen David Rubenstein verbunden. Er hat bis heute Kontakte ganz hoch in die Politik und hält Tuchfühlung zu vielen wirtschaftlichen und politischen Größen dieser Welt. Über dem Schreibtisch von Rubenstein hängen Fotos von Treffen mit dem heutigen Präsidenten George W. Bush, ebenso wie mit dessen Vater – dem ehemaligen US-Präsidenten. Und die Bilder daneben erinnern an Begegnungen mit Michail Gorbatschow und dem Papst.
Seine Beziehungen zu den wichtigen Entscheidungsträgern in den politischen und finanziellen Zirkeln hat der Nichtraucher und Antialkoholiker stets versucht, zum Wohle seines Unternehmens und seiner Anleger zu nutzen. Er hat den britischen Ex–Premier John Major und James Baker, ehemaliger US-Außenminister, als Berater ins Carlyle-Boot geholt. Die Konkurrenz des Beteiligungsriesens sieht diese von Rubenstein geknüpften Verbindungen zwischen den politisch Mächtigen dieser Welt auf der einen und den Kapitalgebern auf der anderen Seite mit einem gewissen Neid, denn sie gelten als die wichtigsten Erfolgsfaktoren des Unternehmens.
Mit seiner ruhigen und besonnenen Art überzeugt Rubenstein nicht nur Manager und Anteilseigner von Firmen, die er sich mit seinem Team als Übernahmeziele ausgesucht hat. Er hat auch die volle Rückendeckung einer weltweiten Schar von Anlegern, die ihm für seine Transaktionen Geld zur Verfügung stellen. Das eigene Image und der Ruf der eigenen Firma ist ihm in diesem Zusammenhang besonders wichtig. Er habe zusammen mit seinen Partnern selbst rund 700 Millionen Dollar an privatem Vermögen in die eigenen Fonds gesteckt, das man gerne mit einer ordentlichen Verzinsung zurückerhalten möchte. „Über all dem steht jedoch das Bemühen, dass wir unsere Reputation bei unseren Investoren nicht verspielen“, sagt er – und man nimmt ihm diese Worte sofort ab.
Dem Pionier in Sachen Private Equity ist es in der Vergangenheit auf Grund seines geschätzten Führungsstils auch gelungen, gut ausgebildete und unternehmerisch denkende junge Finanz-Fachleute als Investmentprofis für die Carlyle Group zu gewinnen. Das Unternehmen schaffte es in der Vergangenheit, stets die Besten der Besten von den Top-Universitäten ins Boot zu holen. Bei Carlyle sieht man dies als Beweis für eine über Jahrzehnte hinweg reichende gute Arbeit. Doch dies erweist sich zunehmend auch als eine Art Bumerang, weil sich viele dieser Experten nach den Lehrjahren bei Carlyle zu kleineren Firmen der boomenden Branche wechseln. Dort haben sie, so die Aussage von mehreren ehemaligen Carlyle-Mitarbeitern, die Spielräume, das eigene Fachwissen in einer verantwortungsvolleren Position umzusetzen. Einige der Carlyle-Experten haben mittlerweile sogar eigene Private-Equity-Gesellschaften gegründet.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Meilensteine eines Kapitalisten
