Viel ist über ihn zuletzt berichtet worden: Still sei er und einsam, heimlich plane er den großen Konzernumbau. Das alles klang nach Einzelgängertum. Das ist natürlich Unfug. Gute Bekannte schildern Löscher als ausgesprochen kommunikationsfreudig, als einen „Teamspieler gerade auch im Beruflichen“.
Vielleicht liegt das Missverständnis darin, dass Löscher konsequent vorgeht: Er hat versprochen, dass er vor allem zuhören werde. Das ist keine schlechte Taktik für einen, der neu ist im Riesenreich Siemens mit seinen 475 000 Mitarbeitern und fast ebenso vielen Fußfallen.
Wenn Löscher redet, dann geschmeidig, auch wenn das Managementvokabular am Ende des Tages beweist, dass er längst noch nicht die Souveränität gefunden hat, die er sich wünscht. Jeder öffentliche Auftritt wirkt eintrainiert und steif. Sobald die Runde aber kleiner wird, gewinnt der Siemens-Chef an Präsenz.
Dennoch fragen sich viele, ob dieser Mann wirklich hart genug ist, um das durchzuziehen, was er da am Donnerstagabend verkündet hat. Klar, Löscher hat früher ziemlich gut Volleyball gespielt, ein Spiel, welches das richtige Gefühl für Rhythmus, Tempo und manchmal auch Härte erfordert. Aber er hat einen so höflichen Händedruck, dass man ihm den Volleyball-Nationalspieler nicht glauben mag.
Am Donnerstag will er also über den Unternehmensumbau reden. Doch die Staatsanwaltschaft hat wieder eine neue Agenda geschaffen. Erneut interessiert die Journalisten vor allem der Schmiergeldskandal. Löscher gibt sich extrem einsilbig. Das Einzige, was er selbst zu diesem Thema zu Protokoll gibt, ist der Satz: „Die Einstellung des Bußgeldverfahrens ist nur ein erster Baustein.“ Wahrscheinlich hat ihm das sein Pressesprecher vorgesagt, und dem haben es Anwälte diktiert. Löscher, mit der US-Börsenaufsicht SEC im Nacken, wird den Teufel tun, solche Sprachregelungen zu ignorieren.
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