Es gibt Momente, da spürt man, dass er weiß, wie groß das Gefahrenpotenzial im neuen Job ist. Dann wirkt er für Sekunden blass, als hätte er es mit der Angst bekommen. Doch schnell fasst er sich wieder, ist zurück in der Macherrolle und bei seiner Lieblingsformulierung: „Das müssen wir abarbeiten.“
Die Revolution, die Löscher verkündet, hat es in sich. An Haupt und Gliedern wird Siemens reformiert. Die Ländergesellschaften werden mit ihren mitunter widerspenstigen Chefs zu Dienstleistern für die operativen Bereiche, die von drei mächtigen Vorständen geführt werden.
Viele Kunden hätten die Schwerfälligkeit von Siemens kritisiert, berichtet Löscher von seiner Weltreise. Viele Siemensianer werden ihm zustimmen, dass zu viel diskutiert und zu spät entschieden werde. Bei GE sei das anders: Wenn Jeffrey Immelt aufs Gaspedal drücke, dann fahre die Organisation auch, sagt er. Mit solchen Vergleichen sollte er vorsichtig umgehen. Sie nähren die Botschaft, mit ihm hätten die Amerikaner die Macht ergriffen. Tatsächlich legt Löscher Hand an die alten, ziemlich deutschen Strukturen. So schien der Apparat immer stärker zu sein als die handelnden Personen. Das könnte sich jetzt ändern. Mit Peter Solmssen ist ein Amerikaner als Chefjustiziar in den Vorstand aufgerückt. Auch der neue Chief Compliance Officer Andreas Pohlmann kennt Siemens nur von außen.
Der Schmiergeld-Skandal könnte sich als der Verbündete im Veränderungsprozess erweisen: Nie war die Bereitschaft, Neues zu wagen, größer als heute. Wohl auch deshalb legt Löscher ein hohes Tempo vor. Sollte der Aufsichtsrat seinen Plänen am 28. November zustimmen, wird Siemens bald ein etwas anderes Unternehmen sein. Das wäre nicht wenig für die ersten Tage des Abarbeiters.
