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15.12.2006 
Permiras Deutschland-Chef Thomas Krenz

Der Aufkäufer

von Peter Köhler

Permiras Deutschland-Chef Thomas Krenz beendet mit der Übernahme von Pro Sieben Sat1 seine Pechsträhne.

Thomas Krenz ist Geschäftsführer der Permira Beteiligungsberatung GmbH.Lupe

Thomas Krenz ist Geschäftsführer der Permira Beteiligungsberatung GmbH.

FRANKFURT. Die Branche begann schon zu munkeln über Thomas Krenz. Seit Wochen taucht der Deutschland-Chef des Private-Equity-Investors Permira nur in Meldungen über verpasste Deals auf: den Zuschlag für die Gabelstapler von Linde in letzter Sekunde verpasst, bei den Praktiker-Baumärkten nicht zum Zuge gekommen und auch das Investment in den Mobilfunkanbieter Debitel bereitet derzeit wenig Freude. Ganz zu schweigen von der schlechten Presse nach dem Rückzug aus dem angeschlagenen KFZ-Zulieferer Kiekert. Jede Menge „broken deals“, wie die Branche die Rückschläge in den Bieterverfahren bezeichnet - oder, auf gut Deutsch: außer Spesen nichts gewesen.

Seit gestern aber darf sich Krenz wieder mit einem Zukauf schmücken – einem sehr prominenten noch dazu. Gemeinsam mit KKR erhielt Permira den Zuschlag beim Fernsehsender Pro Sieben Sat 1.

Der 47-Jährige spielt in der Champions League der internationalen Finanzinvestoren. Mit dem elf Milliarden Euro schweren Eigenkapitaltopf „Permira IV“ kann das Private-Equity-Haus – zählt man die Kreditfinanzierungen für die Übernahmen hinzu – rund 35 Milliarden Euro flottmachen. In Europa ist Permira indirekter Arbeitgeber für 185 000 Beschäftigte in 34 Portfoliounternehmen.

In Deutschland hatte sich die Beteiligungsgesellschaft in den vergangenen zehn Jahren unter anderem den Dentalausrüster Sirona, den Brillenhersteller Rodenstock, die Bekleidungskette Takko und den Chemiespezialisten Cognis in den Einkaufskorb gelegt.

Die Fernsehbranche ist kein Neuland für Krenz: Besonders medienwirksam war die Übernahme des Abo-TV-Anbieters Premiere, von dem sich Permira via Börsengang wieder trennte – kurz bevor die Übertragungsrechte für die Bundesliga flöten gingen.

Pro Sieben Sat 1 hatten die Frankfurter Beteiligungsspezialisten nicht erst seit ein paar Wochen im Visier. Schon im Februar stellte Krenz seinen Expertenteams knifflige Fragen wie etwa: „Satellitenfernsehen und Kabelbetreiber – entwickeln sie sich gleich, wie sehen Korrelationen aus?“ Synergien wurden durchgespielt, schließlich hatten sich Permira und KKR einige Monate zuvor schon die europäische Senderkette SBS Broadcasting zugelegt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Studentenviertel statt Banken-Westend

Krenz steuert sein insgesamt 35-köpfiges Team vom Frankfurter Studentenviertel Bockenheim aus. Das ist Multikulti mit türkischen Gemüseständen und Szene-Cafés und damit das genaue Gegenteil zum angrenzenden sterilen Banken-Westend. In einem ehemaligen Industrie-Areal, das im Stil der 90-Jahre für die Dienstleistungsbranche umgerüstet wurde, herrscht zwischen gläsernen Wänden und offenen Türen ein liberaler Führungsstil.

Der gebürtige Braunschweiger ist seit 1995 Geschäftsführer und seit 1999 Managing Partner bei Permira, davor war er Associate bei der amerikanischen Bankers Trust in Frankfurt. Krenz hat in Hamburg seinen BWL-Abschluss gemacht und bringt einen MBA der US-Universität Indiana mit. Im Management- und im Investitionsausschuss entscheidet er mit wenigen internationalen Partnern darüber, wie die künftige Strategie aussieht und wohin die Milliarden weltweit fließen sollen. Krenz versteht sich als „Primus inter Pares“, der nicht mehr jedes Detail der Deals in nächtelangen Sitzungen ausknobeln muss. Nicht selten verlässt er um 18 Uhr sein Büro, ist aber morgens in der Regel auch als einer der Ersten wieder an Bord.

Mitarbeiter beschreiben ihn als zupackend und direkt, Kritiker als selbstverliebt. Seine Stärke liegt in der Reduktion komplexer Themen auf das Wesentliche. Während der Europa-Chef von KKR, Johannes Huth, engen Kontakt zur Berliner Politik hält, spinnt Krenz seine Fäden in der Private-Equity-Branche und der Industrie. Er selbst nennt sich einen „Adrenalin-Junkie“, Deals elektrisieren ihn und treiben ihn an.

Sein Privatleben schottet Krenz ab. Bekannt ist lediglich, dass er seinem Terminkalender so viel Zeit wie möglich abringt, um bei seinen beiden Kindern zu sein. Wer hier tiefer bohren will, stößt auf Granit – und wird womöglich aus den nächsten exklusiven Runden für Hintergrundgespräche für immer ausgeladen.

Obwohl er drahtig und durchtrainiert wirkt, treibt er nicht intensiv Sport. Golfen etwa sei sowieso nichts für Manager, zu zeitaufwendig: „Wer ein einstelliges Handicap hat, macht etwas falsch.“ Zwei Leidenschaften von Krenz sind aber offensichtlich: Zigarillos der Marke „Moods“ und kleine Schüsselchen mit Nüssen.

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