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05.01.2005 
Für die erste Million brauchte RIM noch fünf Jahre

Der Erfinder der Managerdroge

von Katharina Slodczyk, Handelsblatt

Er kann sie nicht loswerden. Diese Aura des Technikfreaks, der lieber vor seinem Computer sitzt und an schwierigen Programmen tüftelt, als unter Leute zu gehen. Schwitzend sitzt Mike Lazaridis in seinem etwas kneifenden, dunkelblauen Jackett in einem hippen Londoner Hotel. Er soll über den weiteren Weg seines Unternehmens Research in Motion (RIM) erzählen, des Produzenten des mobilen E-Mail-Lieferanten Blackberry.

LONDON. Doch von Erzählen kann keine Rede sein. Man muss dem 43-Jährigen die Antworten aus der Nase ziehen. Überzeugend werden sie dadurch noch lange nicht. Sie sind stets kurz und knapp, fast etwas unwirsch. „Ich sehe keine Konkurrenten, die uns gefährlich werden können“, sagt der Kanadier mit den griechisch-türkischen Wurzeln. Und was die Analysten an möglichen Wachstumshemmnissen und Problemen sehen? „Es gibt keine, das ist eine Fehlwahrnehmung“, sagt Lazaridis. Mehr nicht.

Kein Charme, keine Geschmeidigkeit, nichts von dem, was Manager umgibt, die etwas verkaufen wollen. Etwas gesprächiger wird Lazaridis erst, wenn es um die technische Seite geht. Wi-Fi oder UMTS? Welche Technik wird als Nächstes in den Blackberry integriert? Für eine Antwort darauf braucht Lazaridis ganze drei Sätze. Ganz schön weitschweifig für seine Verhältnisse.

Schon zu Schulzeiten hockte er lieber in der Bibliothek und vertiefte sich in schwierige Themen. Das brachte ihm eine spezielle Auszeichnung ein – dafür, dass er sich in seiner Schulbibliothek jedes vorhandene Buch über Mathematik und Naturwissenschaften auslieh. Auch heute zieht er Bücher über die Pathfinder-Mission auf dem Mars Ende der 90er-Jahre jedem Kriminalroman vor.

Lazaridis ist der kluge Kopf hinter dem Blackberry, er hat das Gerät erfunden – in einer schlaflosen Nacht vor etwa fünf Jahren. „Er ist hochintelligent und leicht verschroben“, sagt sein Kollege Jim Balsillie über ihn. Gespräche mit Analysten und Journalisten, Strategien zu erläutern und für den Blackberry zu werben, sind seine Sache nicht. Das überlässt er am liebsten Balsillie. Gemeinsam leiten die beiden RIM. Die Aufgabenteilung beschreibt Balsillie so: „Ich bin so eine Art Papagei, der die Dinge kommuniziert, die sich Mike ausdenkt.“

Die beiden ergänzen sich hervorragend: Lazaridis, der bullige Studienabbrecher, und Balsillie, der schlanke, hoch gewachsene Absolvent der Harvard Business School. Gemeinsam haben sie es sehr weit gebracht: Die RIM-Umsätze werden sich im laufenden Geschäftsjahr, das im Februar endet, auf 1,35 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln, der Nettogewinn wird sich innerhalb eines Jahres voraussichtlich auf 300 Millionen Dollar versechsfachen. Die Zahl der Blackberry-Nutzer wird wohl bei 2,5 Millionen liegen und damit innerhalb von zwölf Monaten um 150 Prozent zunehmen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Für die erste Million brauchte RIM noch fünf Jahre

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