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19.03.2008 

Der freundliche Herr Staudigl

von Dieter Fockenbrock

Der neue Vorstandschef von Wacker Chemie übernimmt keinen leichten Job: Rudolf Staudigl muss die exzellenten Zahlen seines Vorgängers Peter-Alexander Wacker toppen – und der sitzt ihm als Großaktionär und künftiger Aufsichtsratschef auch noch im Nacken.

Der Vorstandsvorsitzende von Wacker Chemie, Rudolf Staudigl, wird kräftig aufräumen müssen. Foto: dpaLupe

Der Vorstandsvorsitzende von Wacker Chemie, Rudolf Staudigl, wird kräftig aufräumen müssen. Foto: dpa

MÜNCHEN. Eigentlich geht es um Rudolf Staudigl an diesem Morgen. Der Mann mit den grauen Schläfen und der hohen Stirn soll sich den Journalisten als neuer Vorstandschef von Wacker Chemie vorstellen.

Doch ein anderer Mann dominiert beim Frühstückstermin den Raum in der Münchener Zentrale, nicht nur weil er deutlich größer ist als Staudigl. Peter-Alexander Wacker, Noch-Vorstandschef und Großaktionär des Chemiekonzerns, antwortet sogar auf Fragen, die ihm nicht gestellt werden. Ein Signal für die Rollenverteilung ab 1. Mai bei Wacker Chemie, wenn Staudigl Vorstandschef wird und Peter-Alexander Wacker den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt?

Nun, zwischendurch kommt der Neue doch noch zu Wort. Und er lässt sich sogar eine Leidenschaft entlocken, die Biotechnologie. Damit hat sich der 53-jährige promovierte Chemiker schon zu seinen Zeiten als forschender Wissenschaftler an der Havard-Universität beschäftigt. Die Biotechnologie hat er auch schon als „schönes kleines Pflänzchen“ bei Wacker Chemie identifiziert, die vor allem vom Geschäft mit Silizium für die Solar- und Halbleiterindustrie profitiert.

Staudigl denkt an biotechnische Verfahren, die für die Herstellung von Industrieprodukten eingesetzt werden, etwa für bestimmte Enzyme für Waschmittel. Bilanziell fällt das zwar noch nicht ins Gewicht, aber es passte so schön zur Wacker-Philosophie, sich auf die großen Trends zu konzentrieren. Staudigl nennt das „modern aufgestellt“. Im Übrigen spricht der gebürtige Bayer gerne von Kontinuität, wenn es um die Zukunft des MDax-Unternehmens geht.

Ganz im Sinne seines Vorgängers, Peter-Alexander Wacker, der mit 57 Jahren nach eigenem Bekunden „viel zu früh“ auf den Posten des Aufsichtsratschefs wechselt. Doch die Pflicht ruft, Chefaufseher Karl Heinz Weiss geht aus Altersgründen. Und die Familie Wacker, die zwei Drittel der Aktien kontrolliert, will die Zügel in der Hand behalten.

Staudigl weiß, worauf er sich einlässt. Deshalb demonstriert er auch Konsens auf allen Linien mit seinem künftigen Chefaufseher. Seit 25 Jahren ist Staudigl im Unternehmen, seit zehn Jahren in führender Position. Zuletzt verantwortete er die Vorstandsressorts Personal und Forschung.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Meinungsverschiedenheiten zwischen Vorstand und Aufsichtsrat

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