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22.02.2008 
Zumwinkels Anwälte

Der Hitter und der Putter

von Jan Keuchel

Es ist der 14. Februar, mit Sicherheit ein denkwürdiger Tag für Klaus Zumwinkel, vielleicht auch einer für die Republik – und bestimmt keine Routine im Arbeitsleben der Rechtsanwälte Rolf Schwedhelm und Hanns Feigen. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein. Ihre Taktik ist zurzeit allerdings dieselbe: schweigen für den Mandanten.

Der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel gemeinsam mit Hanns Feigen, einer seiner beiden Anwälte. Foto: apLupe

Der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel gemeinsam mit Hanns Feigen, einer seiner beiden Anwälte. Foto: ap

DÜSSELDORF. Der Anruf kam überraschend. Hatte er nicht oft genug gewarnt, sogar öffentlich? Zuletzt noch Ende April 2006: Gelder ins Ausland zu schaffen wird immer gefährlicher. „Die Schlinge wird immer enger“, hatte er einer Zeitung gesagt, „das Risiko steigt von Tag zu Tag.“

Und jetzt das. Am Apparat ein aufgeregter „Herr Z.“, er solle doch bitte schnell von Köln-Junkersdorf in den Nobelstadtteil Marienburg kommen, in die Mehlemer Straße 22. Ganz in der Nähe vom Haus des Entertainers Harald Schmidt, ein Domizil mit grün-weißem Gartenzaun. „Zumwinkel“ steht auf dem Klingelschild.

Zehn Minuten mit dem Porsche, vielleicht 15. Den Einsatzort kann Rolf Schwedhelm gar nicht verfehlen. Presse, wohin das Auge reicht. TV-Leute, Fotografen und drinnen Steuerfahnder, die allerhand nach draußen schleppen. Auf dem Sofa ein konsternierter Klaus Zumwinkel, zu diesem Zeitpunkt noch Post-Chef und einer der mächtigsten Bosse im Land. Als später Hanns Feigen eintrifft, schaut Zumwinkel noch etwas konsternierter. Den kennt Zumwinkel gar nicht – er hat ihn auch nicht gerufen. Den hat die Post geschickt.

Es ist der 14. Februar, mit Sicherheit ein denkwürdiger Tag für Klaus Zumwinkel, vielleicht auch einer für die Republik – und bestimmt keine Routine im Arbeitsleben der Rechtsanwälte Rolf Schwedhelm und Hanns Feigen. Seither arbeiten sie hinter den Kulissen vor allem an zwei Dingen: Zumwinkel so viel wie möglich Ärger zu ersparen. Und so viel wie möglich Schlagzeilen.

Denn mit ihrem Mandanten hat etwas begonnen, was mittlerweile mindestens eine Affäre von beträchtlichen Ausmaßen ist. Hunderte von Deutschen sollen wie Zumwinkel ihr Geld am Fiskus vorbei nach Liechtenstein transportiert haben. Die Medien schreiben vom Jahrhundertereignis, die „Bild“-Zeitung zauberte gleich 1 000 verdächtige Prominente aus dem Hut. Eine Razziawelle gegen deutsche Steuersünder ist über das Land hereingebrochen, Liechtenstein beschimpft Deutschland, Deutschland beschimpft Liechtenstein – und Zumwinkel ist zum Sinnbild für gierige Manager geworden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das große Schweigen

Schwedhelm und Feigen aber schweigen dazu. Sie arbeiten nach dem simplen Prinzip: Je weniger sie sagen, desto weniger ist ihr Mandant in den Medien. Der Mann, der noch bis vor kurzem als Unicef-Chef gehandelt wurde und in einer Post-Mitarbeiterzeitung von der Verantwortung der Manager schwadronierte, hat beide dazu verdonnert. Keine Stellungnahmen, keine öffentlichen Auftritte, Maulkorb gegenüber der Presse. Denn der Name Zumwinkel klebt momentan wie Spucke am Kragen der Verteidiger. Wann immer sie in den Medien auftauchen, ist dieser hässliche Fleck zu sehen.

Dabei ist Schwedhelm einer, mit dem man gerne redet. Und Feigen einer, der gerne redet.

Sie sind Antipoden, optisch wie fachlich. Strafverteidiger Feigen (58) ist ein bulliger Typ, Ringernacken, Abwehrhaltung, trotz feinem Zwirn kann er schnoddrig sein, wenn es sein muss. Schwedhelm (52) dagegen, der Steuerexperte, ist kleiner, drahtiger, zugänglicher.

Ein Entspannter ist Schwedhelm in der an Aufplusterern nicht armen Zunft. In der Branche ist der Porschefahrer und Hobby-Golfer nicht als Abschläger bekannt, sondern eher als „Putter“. Im Hintergrund wirken, lieber heimlich verhandeln als öffentlich streiten, dass ist der Ruf, den die Kanzlei Streck Mack Schwedhelm zu verteidigen hat, in der noch immer an erster Stelle der weithin bekannte Steuerfachmann Michael Streck steht. Hinter dem Patron aber hat sich Schwedhelm etabliert, seit knapp 20 Jahren einer der Partner.

Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet Schwedhelm, der immer für die 2004/2005 von der rot-grünen Bundesregierung durchgesetzte Amnestie von Steuerflüchtlingen geworben hat, nun den wohl prominentesten Fall der Ignoranten zu verteidigen hat. Zu hören ist, dass die Anwälte selbst sprachlos waren, dass Zumwinkel die Amnestie offenbar nicht genutzt hat. Ermittler machen sich ihren eigenen Reim darauf: „Das ist die Arroganz des Geldes“, sagt einer. „Der hat gedacht, er ist unangreifbar“, sagt ein anderer.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Fachmänner am Werk

Über Schwedhelm und Feigen sagen sie, dass da absolute Fachmänner am Werk sind. „Das sind ganz hochkarätige Leute, sehr qualifiziert“, heißt es in der Bochumer Staatsanwaltschaft, die federführend ist im Steuerskandal. Ansonsten hält man sich dort mit Bewertungen zurück. „Kooperativ“ seien die bisherigen Zusammentreffen im Fall Zumwinkel verlaufen. Der hat bereits „ein Vielfaches“ des angeblich hinterzogenen Betrages von einer Million Euro bei den Finanzbehörden hinterlegt.

Im Gegensatz zu Schwedhelm gilt Feigen eher als Liebhaber der schweren Eisen. Das „Manager-Magazin“ hat ihm den Titel „der Zupacker“ verliehen und ordnet ihn unter die Top Ten der Strafverteidiger ein. In der Branche wird er aber auch schon mal als „Hitter“ bezeichnet, als jemand, der weit abschlägt, manchmal zu weit. „Der kann gut draufschlagen – aber auch gut schaumschlagen“, witzelt ein Berufskollege.

Was nicht heißen soll, dass Feigen nicht gefragt ist. Er hat sein Handwerk in der renommierten Bonner Kanzlei Redeker Dahs gelernt, seine Mandantenliste ist lang, viele bekannte Namen stehen darauf. Er berät den Ex-Siemens-Finanzvorstand Karl-Hermann Baumann in der Schmiergeldaffäre, er hat Bayer im Lipobay-Skandal vertreten ebenso wie die Deutsche Bahn im Prozess um das Zugunglück von Eschede. Auch der frühere Chef der Vulkan-Werft, Friedrich Hennemann, nahm Feigens Hilfe in Anspruch.

Mit Mandantennamen tut sich Schwedhelms Kanzlei hingegen schwerer. Selbst innerhalb der Sozietät gilt noch immer das von Seniorpartner Streck eingeführte System, das da lautet: Mandantennamen nie aussprechen, immer nur den ersten Buchstaben nennen. Wie viele „Zs“ derzeit zu versorgen sind, ist nicht bekannt. Aber auch so dürften momentan alle wissen, wer gemeint ist, wenn es mal wieder heißt: „Herr Z. ist am Telefon.“

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