Mit ihren Geschlechtsgenossinnen geht Glaser bisweilen hart ins Gericht – und legt ihre manikürten Finger in offene Wunden. Da sind zum Beispiel die vielen sprachlichen Einschränkungen, mit denen Frauen sich und ihre Leistung klein machen: „Das ist vielleicht eine dumme Frage, aber . . .“ Oder: „Das werden Sie sicher wissen, trotzdem . . .“ Oder die Neigung, sich zu entschuldigen: „Zwischen Frauen sind Entschuldigungen Rituale der Höflichkeit“, sagt Glaser. „Bei Männern sind es Signale der Hierarchie. Wer sich entschuldigt, hat sich unterworfen.“
Connie Glaser will nicht der Anpassung das Wort reden. In ihrem Buch „Die Delphin-Karriere“ plädiert sie dafür, dass Frauen in der Geschäftswelt nicht das Verhalten der Männer kopieren, sondern auf ihre eigenen Stärken setzen: Klugheit, Intuition, soziale Kompetenz. Dennoch schade es nicht, bemerkt sie lakonisch, mal den Sportteil der Zeitung zu lesen, um bei den Gesprächen der Männer mithalten zu können.
Das hat sie zu Hause gelernt, in ihrem Männerhaushalt. Da staunt die toughe Diplomatin des „Gender Talk“ noch immer, wenn ihre Söhne zu Besuch kommen und sie kumpelhaft und mit einem derben Witz begrüßen. „Ich lerne Geschlechter-Kommunikation eben auf die harte Tour“, sagt Connie Glaser und lacht laut – gar nicht damenhaft.
