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10.10.2008 
Das Unternehmen Tipp24 ist durch den Glücksspielstaatsvertrag bedroht

Der Lotto-Millionär

Jens Schumann ist hartnäckig und ausdauernd. Mit dem Glücksspielportal Tipp24 ist der 35-Jährige reich geworden. Heute bedroht der Glücksspielstaatsvertrag sein Geschäft. Dagegen kämpft Schumann an. Und sucht Zerstreuung in der realen Welt - außerhalb des Webs.

Beim Börsengang 2005 war die Lotto-Welt von Jens Schumann (links) noch in Ordnung. Foto: APLupe

Beim Börsengang 2005 war die Lotto-Welt von Jens Schumann (links) noch in Ordnung. Foto: AP

DÜSSELDORF. Es ist schwer zu sagen, ob er ein David oder ein Goliath ist. Ob Jens Schumann ein Underdog ist, der gegen Gesetzgeber und übermächtige Monopolisten kämpft. Oder ob er als Marktführer seiner Branche zu den Bessergestellten gehört, die ihr Recht irgendwie durchsetzen. Ihm selbst komme es manchmal so vor, als kämpfe er gegen Windmühlen, sagt er. Und ringt sich ein müdes Lächeln ab.

Jens Schumann, Gründer und Vorstandschef des Online-Lottovermittlers Tipp24, ist hartnäckig und ausdauernd. Seit mehr als zwei Jahren kämpft er darum, dass sein Unternehmen weiterhin seine Geschäfte verfolgen darf, denn der Lotteriestaatsvertrag untersagt dies ab kommendem Januar. Dann soll zwar weiterhin Lotto gespielt werden dürfen, aber nicht im Internet. Und somit ist es auch ein Duell der neuen Welt gegen die alte. Digital gegen analog. Online-Shop gegen Kiosk.

Schumann, ein smarter Typ mit hoher Stirn und Drei-Tage-Bart, gibt sich Mühe, die Angelegenheit nicht zu sehr an sich herankommen zu lassen. Er schlafe noch immer gut, sagt er. Schließlich wolle er die Diskussion nicht ideologisch werten. Obwohl er, ein Jurist mit erstem Staatsexamen, sich sein ganzes Berufsleben mit dem Internet beschäftigt hat, ist er kein Web-Junkie, der alles andere verteufelt. Im Gegenteil: Als er während des Gesprächs mit dem Handelsblatt einen kleinen Film auf YouTube.com vorführen will, streikt die Technik. Er fummelt an den Anschlüssen herum, fährt den Rechner runter und schimpft leise vor sich hin. Schließlich ruft er hilflos einen Kollegen vom Support an.

Auch jenseits seines Jobs sucht er den Kontakt zur realen Welt, zu Leuten aus anderen Branchen: Erst kürzlich war der 35-Jährige mit einer Gruppe von Freunden im Mittelmeer segeln. Dann seien Themen wie Staatsvertrag und Spielsuchtprävention ganz weit weg. Einen Teil seines Privatvermögens investiert er in Projekte, die nichts mit dem World Wide Web zu tun haben; zum Beispiel in eine Hamburger Galerie, die reale Bilder verkauft. Und er legt Wert darauf, dass sich Tipp24 bei gemeinnützigen Aktionen engagiert. Bei einem Bildungsprojekt - einer Initiative der Bürgerstiftung Hamburg, des Vereins Genety sowie Tipp24 - haben Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeit den Schülern einer Gemeinschaftsschule wöchentlich die Chancen und die Risiken des Internets erörtert und als Mentoren mit den Jugendlichen über Probleme gesprochen, die weit über das virtuelle Leben hinausgehen. Dass die Schule die Zusammenarbeit wegen der guten Resonanz im neuen Schuljahr ausbauen und eine Medienklasse einrichten wird, wertet Schumann auch als unternehmerischen Erfolg. Bildung und Jugend - das seien seine Themen, sagt er. "Ich sehe ja hier bei unseren Leuten, dass clevere Mitarbeiter durch Weiterbildung alles schaffen können."

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