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04.02.2008 
Xchanging-Gründer David Andrews

Der Mann für die billigen Prozesse

von Dirk Heilmann

Es kommt nicht oft vor, dass ein Engländer deutsche Tugenden lobt. David Andrews tut das eifrig, denn in seinem Geschäft sind Gründlichkeit und Verlässlichkeit gefragt. „Die Deutschen haben die richtige Einstellung für das Business Process Outsourcing“, sagt der 58-jährige Gründer und Chef der börsennotierten Outsourcing-Firma Xchanging. Er ist ein Pionier des Auslagerns.

LONDON. Der Mann mit den zurückgekämmten grauen Haaren und den blitzenden blauen Augen hinter der randlosen Brille kennt sich gut aus in Deutschland. Schließlich hat er in den neunziger Jahren das elektronische Handelssystem Xetra für die Deutsche Börse mit aufgebaut. Zuvor hatte er bereits die Londoner Börse mit moderner Handelstechnik ausgestattet. Beides tat er für die Beratungsfirma Accenture. Für sie baute er in Europa das Business mit der Auslagerung ganzer Geschäftsprozesse auf, bekannt als Business Process Outsourcing oder kurz BPO. „Ich habe schon BPO-Projekte gemacht, als es den Begriff noch gar nicht gab“, erzählt Andrews.

Der Selfmademan steigt bis zum Westeuropa-Chef auf. Das war nicht abzusehen, als er mit 16 die Schule abbrach und einer Buchhalterlehre einen dreijährigen Aufenthalt im Kongo folgen ließ. „Als ich zurückkehrte, hielten mich die meisten Arbeitgeber für einen Bekloppten“, sagt er, „aber Arthur Andersen gab mir eine Chance.“ Dennoch steigt er 1998 nach mehr als zwei Jahrzehnten bei der Andersen-Nachfolgefirma Accenture aus und baut von null eine spezialisierte BPO-Firma auf – ein mutiges Unterfangen auf einem Markt, den Konzerne wie IBM dominieren. Andrews aber ist gut verdrahtet, und er stellt sich ein Spitzenteam zusammen, wie Analysten bestätigen.

Im vergangenen Frühjahr bringt er Xchanging an die Börse – heute ist das Unternehmen knapp 750 Millionen Euro wert. Der erste Kunde ist gleich ein Hochkaräter: Für den Rüstungskonzern BAE Systems übernimmt er Personaldienstleistungen. Doch zum Schwerpunkt entwickelt sich die Finanzbranche. Xchanging arbeitet für den Versicherungsmarkt Lloyd’s und gründet für die Deutsche Bank eine Transaktionsbank, die täglich zwei Millionen Wertpapiergeschäfte abwickelt. Jüngster Kunde ist die Allianz.

Einen großen Teil des Geschäfts macht Xchanging in Deutschland, darum unterhält Andrews auch eine Wohnung in Frankfurt. Ansonsten lebt der vierfache Vater in London. In der Freizeit genießt er schnelle Autos – und Holzarbeiten. Nichts entspannt ihn so, sagt der rastlose Macher, wie mit den Söhnen ein morsches Boot zu reparieren.

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