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26.09.2007 
Star-Designer Roberto Cavalli

Der Mann mit dem Papagei

von Katharina Kort

Der italienische Star-Designer Roberto Cavalli sucht einen Käufer für seine Modefirma – und bringt den Luxuskonzern Richemont ins Spiel.

Roberto Cavalli. Foto: apLupe

Roberto Cavalli. Foto: ap

MAILAND. Er ist ein Mann der lauten Töne. Knallige Farben, Leopardenmuster, sexy Schnitte – der angesagte italienische Designer bleibt nicht unbemerkt. Auch in diesen Tagen – pünktlich zu Mailands Modewoche – lässt Roberto Cavalli die Branche aufhorchen. Und das nicht nur mit seiner Kollektion, die er morgen präsentiert, sondern auch mit einem möglichen Verkauf seiner Modefirma.

Seit Monaten ist bekannt, dass der mittlerweile 66-Jährige einen Investor sucht. Doch nun hat er sogar selbst einen möglichen Käufer für sein Lebenswerk ins Spiel gebracht: das Schweizer Luxuskonglomerat Richemont, zu dem die Marken Cartier und Chloé gehören. Da die Schweizer bisher kaum Modemarken besitzen, wäre er dort gut aufgehoben, lässt Cavalli die Zeitungen „Il Sole 24 Ore“ und das „Wall Street Journal“ wissen. Verhandlungen gebe es jedoch bisher nicht. Laut Cavalli ist sein Unternehmen „viel mehr wert als eine Milliarde Euro“. Auch einen Börsengang schließt der aus Florenz stammende Designer nicht aus. Doch eines ist klar: Er will weiterhin ein Wörtchen mitzureden haben.

Roberto Cavalli schwimmt auf der höchsten Welle seines Erfolgs. Dennoch muss sich auch der grau melierte Modeschöpfer Gedanken um die Nachfolge machen. Der 75-jährige Star-Designer Valentino hat erst diesen Monat seinen Rückzug angekündigt, nachdem der Private-Equity-Fonds Permira das Sagen hat. Die beiden Marken Prada und Salvatore Ferragamo erwägen dagegen den Börsengang.

Anders als seine Kollegen Giorgio Armani und Gianni Versace ist Roberto Cavalli ein modischer Spätzünder. Obwohl er in den 70er-Jahren durchaus Erfolg beim internationalen Jetset hatte, blieb der steile Aufstieg bei ihm zunächst aus. Er selbst führt das darauf zurück, dass er lieber auch mal drei Wochen am Stück in Saint Tropez das Leben genoss, als sich dem geschäftlichen Erfolg zu widmen. In den 80ern konzentrierte er sich stärker auf seine neue Familie und ließ seine Pferde rund um den Globus rennen. 1980 heiratete er seine zweite Ehefrau, Ex-Miss Universum Eva Duringer. Die Österreicherin arbeitet mittlerweile mit im Unternehmen, das aber die 40-jährige Tochter, Cristiana Cavalli, seit einem Jahr leitet.

Seit der zweiten Hälfte der 90er-Jahre erlebt Cavalli seinen zweiten Frühling. Ex-Spicegirl und Fußballer-Ehefrau Victoria Beckham lässt sich im tief ausgeschnittenen, elektrisch-blauen Kleid ebenso ablichten wie Madonna und Jennifer Lopez. Lenny Kravitz steckt seinen Körper in Cavallis Pythonjeans, als er im Weißen Haus singt. In diesem Jahr wird Cavalli seinen Umsatz voraussichtlich auf 700 Millionen Euro innerhalb von drei Jahren verdoppeln. So sehr ihn seine Fans – viele da-von in den USA – vergöttern, in Ita-liens elitären Modezirkeln ist Cavalli umstritten. „Er ist als Person genau-so vulgär wie seine Mode“, sagt der Verkaufsdirektor einer Konkurrenzmarke über ihn. Eine Einschätzung, die nicht alle teilen: „Cavalli ist ein angenehmer, ruhiger Mensch, der allerdings viel von Selbstmarketing versteht“, sagt ein Mailänder Modefotograf über ihn.

Als bekennender Heterosexueller gehört er zu den Ausnahmen im Mailänder Modezirkus. Nach eigenen Aussagen ist der gerade einmal 1,65 Meter große Mann nur zur Mode gekommen, weil er schöne Frauen kennenlernen wollte. Auch heute bewirtet er auf seiner 41-Meter-Yacht „Freedom“ Stars wie Sharon Stone und das Ehepaar Beckham.

Ebenso schrill wie seine Kleider gestaltet Cavalli auch seine Häuser. Sein fast ganz in Weiß gehaltenes Mailänder Apartment in der noblen Via della Spiga zieren Kissen mit Zebrafell und Ozelotdecken. An der Wand hängt ein Ölporträt von ihm, gemalt von Julian Schnabel. Der Familiensitz ist eine prunkvolle Villa bei Florenz, die außer Pferden, Hunden und Papageien auch eine Boa Constrictor namens Camilla beherbergt. Roberto Cavalli ist halt immer ein wenig schrill.

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