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04.01.2009 
Kommunalversorger

Der Netzwerker

von Jürgen Flauger und Jens Koenen

Gemessen an den Energieriesen Eon und RWE ist die Mannheimer MVV Energie klein, doch das Unternehmen gehört zu den größten der zweiten Reihe. Ab heute leitet Georg Müller die Geschicke des Kommunalversorgers. Anders als seine Vorgänger setzt Müller verstärkt auf strategische Kooperationen - und nicht unbedingt auf Beteiligungen.

Leitet ab heute das börsennotierte Unternehmen MVV Energie in Mannheim: Georg Müller. Foto: dpaLupe

Leitet ab heute das börsennotierte Unternehmen MVV Energie in Mannheim: Georg Müller. Foto: dpa

DÜSSELDORF/MANNHEIM. Ein faustgroßer Kiesel, 30 Millionen Jahre alt, schön geschliffen, aufgelesen vor 15 Jahren in einem Tagebaubetrieb - das ist alles, was Georg Müller in sein neues Büro mitbringt. In das Büro des Vorstandsvorsitzenden der MVV Energie, in Mannheim.

Das lichte Zimmer im 15. Stock der Zentrale des Energieunternehmens mit Blick auf Rhein und Fernsehturm ist schon seit drei Monaten praktisch leer. Ob der Monet-Druck von Müllers Vorgänger hängen bleibt? Müller sagt, das Büro sei ein Arbeitsbereich, nicht mehr. Die MVV Energie, sein neuer Arbeitgeber, ist Deutschlands einziger börsennotierter Stadtwerke-Konzern.

Der Führungswechsel verläuft geräuschlos. Der alte Chef, Rudolf Schulten, wechselt als Finanzvorstand zu einem größeren Unternehmen, der Energie Baden-Württemberg (EnBW), Deutschlands Nummer drei in dieser Branche. Auch der neue, 45 Jahre alt, steigt auf - von der Leitungsposition des RWE-Regionalversorgers Rhein-Ruhr, wo er mehrere Chefs über sich hatte, zum allein verantwortlichen Vorstandsvorsitz bei einem börsennotierten Unternehmen. MVV Energie ist zwar gemessen an den Großkonzernen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall klein, gehört aber mit einem Umsatz von 2,6 Milliarden Euro zu den größten Unternehmen aus der zweiten Reihe.

Regional vernetzt und in Deutschland breit positioniert sei sein neuer Arbeitgeber, lobt Müller.

Doch es gibt einiges zu tun. Müller muss das Netz erweitern, mit einer komplizierten Eigentümerstruktur klarkommen und den Großaktionär Rheinenergie auf Distanz halten.

Müllers Vorgänger haben viel Vorarbeit geleistet.

Ex-Chef Roland Hartung schlug einen rasanten Expansionskurs ein. Die MVV ging als einziger Kommunalversorger an die Börse und kaufte sich bundesweit in andere Stadtwerke ein - beispielsweise in Offenbach, Ingolstadt und Solingen.

Das Wachstum war so rasant, dass Nachfolger Schulten den Kurs korrigieren musste. Er stieß Unrentables ab, etwa das Experiment mit dem Internet aus der Steckdose, und konzentrierte das Unternehmen neben Strom, Gas und Fernwärme auf die Wachstumsfelder Energiedienstleistungen und Müllverbrennung. Zwar wollte auch Schulten das MVV-Reich erweitern. Zu Beginn gelang ihm das auch mit dem Einstieg in Kiel. Doch das war es dann bis heute.

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