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23.07.2007 
Handelsblatt-Serie „Die Financiers dieser Welt“

Der Robin Hood der Aktionäre

von Michael Maisch

Hinter dem britischen Hedge-Fonds TCI steckt ein Mann, der harmloser kaum aussehen könnte: Chris Hohn wirkt nicht wie ein Finanzhai, eher wie ein zerstreuter Akademiker oder ein exzentrischer Computerfreak. Aber von dem harmlosen Äußeren sollte man sich nicht täuschen lassen. Hohn ist ein Mann mit einer Mission. Und dabei geht es nicht nur ums Geld verdienen.

LONDON. Hat Arthur Martinez geahnt, was auf ihn zukommt, als er den Brief in die Hand nahm, der Anfang April 2006 auf seinem Schreibtisch landete? Wahrscheinlich. Schließlich hätte der Aufsichtsratschef der niederländischen Bank ABN Amro nur einen Blick auf den Absender werfen müssen, um zu erkennen, dass die Lage ernst ist. The Children's Investment Fund stand da, oder kurz TCI. Das klingt harmlos, ist es aber nicht. Das wusste Martinez spätestens als er das Schreiben des Londoner Hedge-Fonds zu Ende gelesen hatte. Von schwacher Performance war da die Rede, vom stagnierenden Aktienkurs, von falschen strategischen Entscheidungen, kurzum das Management müsse jetzt die Konsequenzen ziehen und ABN Amro verkaufen oder aufspalten.

Wer stellt solche unverschämten Forderungen an eine Großbank mit über 200 Jahren Geschichte? Hinter TCI steckt ein Mann, der harmloser kaum aussehen könnte: Braune Augen hinter einer randlosen Brille, kurze, verstrubbelte, schwarzbraune Haare. Chris Hohn wirkt nicht wie ein Finanzhai, eher wie ein zerstreuter Akademiker oder ein exzentrischer Computerfreak. Aber von dem harmlosen Äußeren sollte man sich nicht täuschen lassen. Hohn ist ein Mann mit einer Mission. Dem Hedge-Fonds-Manager geht es nicht nur ums Geld verdienen. Er sieht sich als eine Art Robin Hood der Aktionäre, der eingreift, wenn ihre Rechte von arroganten Managern mit Füßen getreten werden.

TCI zählt zu jenen aggressiven Fonds, die Unternehmen angreifen, sie zu einem radikalen Strategiewechsel zwingen und damit den Aktienkurs nach oben treiben. Die oft kurzfristig orientierten aktivistischen Fonds drängen auf Übernahmen, Teilverkäufe und Aktienrückkäufe. Die Aktivisten machen zwar nur etwa fünf Prozent des gesamten Hedge-Fonds-Universums aus, aber in der Öffentlichkeit bestimmen sie das Image der gesamten Branche, weil sie ihre spektakulären Kämpfe immer öfter im Scheinwerferlicht der Medien ausfechten.

Wenige Wochen nach Hohns Brief an ABN Amro nahm das Management der Bank Verhandlungen mit dem britischen Konkurrenten Barclays auf. Inzwischen will auch eine Bietergruppe um die Royal Bank of Scotland das niederländische Geldhaus kaufen. Aus Hohns Brief entwickelte sich die größte Bieterschlacht der Finanzgeschichte.

Sollte ABN-Aufsichtsratschef Martinez jemals an der Durchschlagskraft von TCI gezweifelt haben, hätte ihn ein kurzes Telefongespräch mit Werner Seifert eines Besseren belehrt. Seifert hatte einen großen Traum, er wollte die London Stock Exchange (LSE), den Londoner Konkurrenten der Deutschen Börse übernehmen. Im Dezember 2004 legte Seifert ein feindliches Kaufangebot auf den Tisch. Zwei Mrd. Euro wollten die Deutschen für die LSE bezahlen. Doch nicht nur Clara Furse, die Chefin der Londoner Börse fand keinen Gefallen an dieser Idee, auch Chris Hohn machte klar, dass der Übernahmeplan nicht im Interesse der Aktionäre sei. Stattdessen sollten die Frankfurter die vielen Millionen, die Seifert für sein Lieblingsprojekt angespart hatte, lieber an die Anteilseigner ausschütten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie der sonst so angriffslustige Hohn in die Defensive gerät .

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