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14.03.2008 
Thorsten Strauß

Der Schatten von Gütersloh

von Hans-Peter Siebenhaar

Der neue Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski hat lange gezögert. Nun, nach drei Monaten, kürt er seinen langjährigen Vertrauten Thorsten Strauß doch noch zum Kommunikationschef von Europas größtem Medienkonzern – gegen harte Widerstände in Gütersloh.

Thorsten Strauß wird neuer Leiter der Unternehmenskommunikation von Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann. Foto: dpa Lupe

Thorsten Strauß wird neuer Leiter der Unternehmenskommunikation von Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Die Hängepartie in Gütersloh ist beendet. Nach langem Zögern macht Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski nun doch seinen langjährigen Vertrauten Thorsten Strauß ab 1. April zum Kommunikationschef von Europas größtem Medienkonzern. Die Entscheidung ist zwar keine Überraschung. Das lange Warten auf die Unterschrift unter den Arbeitsvertrag aber schon.

Ostrowski ließ die wichtige Position fast drei Monate unbesetzt. Denn gegen den 40-jährigen Strauß gab es im Konzern Widerstände. Manchem war der Ex-Redakteur des Lokalblatts „Die Glocke“ aus der westfälischen Kleinstadt Oelde schlichtweg zu provinziell, berichten Insider in Gütersloh.

Um die Bedenken im Management auszuräumen, startete Ostrowski ein Auswahlverfahren und ließ seinen Favoriten auch an objektiven Maßstäben messen. Das kostete Zeit – und Prestige.

Denn in der Zwischenzeit hat der Ruf des Konzerns gelitten. Ostrowski, der Ende vergangenen Jahres den Chefsessel bei Bertelsmann übernahm, legte einen Fehlstart hin. Zuerst kündigte er die Komplettübernahme des in Luxemburg börsennotierten Fernsehkonzerns RTL Group an und blies sie kurz danach wieder ab, weil die Konzernzentrale offenbar nicht ausreichend mit der Gesetzgebung des Großherzogtums vertraut war.

Außerdem schuf Ostrowski vor Jahren Europas größten Tiefdruckkonzern Prinovis und sagte ihm eine große Zukunft voraus. Kürzlich aber kündigte Prinovis an, man werde die Darmstädter Tiefdruckerei schließen, weil das Geschäft nicht mehr so gut läuft. Nun steht Ostrowski unter großem Druck.

Mit Spannung wird am Dienstag sein Auftritt in Berlin erwartet. Dort wird der 50-jährige Bielefelder die Bilanz des Konzerns mit fast 20 Milliarden Euro Umsatz vorstellen. Nach Informationen aus Konzernkreisen werden die Zahlen nicht gerade glänzend sein. Das liegt nicht unbedingt in der Verantwortung Ostrowskis. Denn die Bilanz hat noch der langjährige Vorstandschef Gunter Thielen zu verantworten, der heute den Aufsichtsrat führt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Er liebt nicht den großen Auftritt

Doch auf der Berliner Bühne werden Ostrowski und sein Schatten Strauß stehen. Im Gegensatz zu seiner kühl-lässigen Vorgängerin Jasmine Borhan, die auf eigenen Wunsch kurz vor Weihnachten abtrat, ist der bullige Strauß emotional und direkt. Er liebt wie sein Förderer Ostrowski nicht den großen Auftritt, sondern werkelt lieber im Verborgenen.

Das Tandem vertraut sich seit Jahren blind. „Mit Thorsten Strauß habe ich in seiner Funktion als langjähriger Leiter der Unternehmenskommunikation der Arvato AG sehr erfolgreich und vertrauensvoll zusammengearbeitet“, sagt der Bertelsmann-Chef. Ostrowski und Strauß – das ist eine Seelenverwandschaft. Doch genau dieses enge Verhältnis ist auch der Nachteil. Denn künftig geht es für Strauß nicht mehr darum, die Karriere Ostrowskis gegen interne Herausforderer wie Ewald Walgenbach zu fördern, sondern Bertelsmann bestmöglich zu verkaufen.

Den Konzern kennt der Redakteur, der 1989 bei der „Glocke“ volontierte und dort jahrelang arbeitete, aus dem Effeff. Bereits vor neun Jahren fing Strauß als stellvertretender PR-Chef bei Arvato an. Im April 2002 stieg er zum Pressechef auf. In dieser Zeit suchte Strauß ebenso wie sein Chef ein enges Verhältnis zur westfälischen Presse. Schließlich ist Arvato einer der größten Arbeitgeber der Region.

Doch nun betritt Strauß die große Bühne. Und er muss viel fürs Image tun. Denn Bertelsmann ist längst nicht mehr die erste Adresse für hochbegabte Hochschulabsolventen. Den begehrten Nachwuchsmanagern ist der Gütersloher Konzern oft einfach zu provinziell.

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