Dass ein Laden beispielsweise nicht eine 1a-Lage braucht, um wie geschmiert zu laufen, sondern das Angebot und die Beratung stimmen müssen - und Parkmöglichkeiten vor der Tür auch nicht übel sind. Oder: dass auch 40 Quadratmeter Verkaufsfläche ausreichen können, selbst wenn die Kunden Schlange stehen und schon Vorschläge der werten Kundschaft unterbreitet werden, einen Türsteher zu engagieren. "Wir sind nicht Armani in Rom", winkt Iser ab und kommt mit einer anderen Idee. Demnächst werden Nummern gezogen, so wie in der Behörde oder beim hippen Friseur in Berlin-Mitte. Ein Wartezimmer wird es nicht geben, dafür eine schicke Espressobar um die Ecke, die Iser, ein ausgemachter Kaffee-Freund, demnächst eröffnet - Spielzone für die Kleinen inklusive. Diese Lösung nennt er nüchtern "Optimierungsspiel".
Oder das neue Kinderfußmessgerät, das nicht nach medizinischer Keule aussieht, sondern nett in einem Tier verpackt und zudem funktionaler ist. Oder seine Idee für eine Norm, die verlangt, Schuhe über ihr tatsächliches Innenmaß zu verkaufen. Oder die Kinderfußmesstage, die er ersonnen hat, um klarzumachen, dass die wenigsten Eltern wissen, mit welch unzureichendem Schuhwerk sie ihre Lütten losschicken, so dass drei Viertel der Drei- bis Sechsjährigen Zehenfehlstellungen aufweisen. Iser gelingt es, Ärzte, Forscher und sogar eine Krankenkasse dafür zu gewinnen - und 200 Kinder kommen allein in Hamburg. Er sieht sich als Botschafter für die gute Sache, die nun mal auch sein Geschäft ist. Womit, so ganz nebenbei, ein Etat für klassische Werbung entfällt.
Ohnehin kalkuliert er knapp, was eine von exakt zwei Stirnfalten in seinem jugendlich glatten Rundum-sorglos-Gesicht zum Runzeln animiert. "Sosehr ich mich über jedes Wachstum freue, so großen Respekt habe ich vor dem Kapital, das in der Vorfinanzierung steckt." Überhaupt hat er anfangs auch die Produktion von Schuhen unterschätzt - mit Leder-auf-Sohle-Tackern ist es nicht getan. Erst nach 45 bis 50 Arbeitsschritten, bei denen die Launen von Naturmaterialien berücksichtigt werden müssen, ist ein Cangorino fertig.
Der kostet dann zwischen 50 und knapp 100 Euro, was die Kunden auch klaglos bezahlen. Pro Saison gibt es 20 Modelle in vier bis fünf Farben. Markenzeichen: schnörkelloses Design, kein Pailetten-Chichi, keine Bärchen, kein Bob der Baumeister oder schrille Farben, die sich mit jedem zweiten Kleidungsstück beißen würden. Exemplarisch ist das Revival der unverwüstlichen Kickers-Optik in Wildleder. Die Devise: lieber Klassiker schaffen als hektisch neue Kollektionen auflegen, die dann ein paar Monate später zugunsten der neuen verramscht werden. "Das ist das Elend des Marktes, dass jeder in Schlussverkaufzyklen denkt. Dann doch lieber weniger verkaufen, aber dafür zum vollen Preis", sagt Iser aus Überzeugung. "Der Markt ist nur scheinbar gesättigt."
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