Könnte sein. Denn auch eine Verkäuferin in seinem Geschäft spricht von Szenen wie in Hitchcocks "Die Vögel", wenn sich Kunden vor dem kleinen Laden in der Hamburger Bismarckstraße versammeln, wenn die neue Kollektion kommt. Manche Eltern warten gar drei Wochen auf die neuen Schuhe, die sie bereits per Vorkasse bezahlt haben. "Ist doch irre, oder?!", sagt Iser, der das selbst kaum glauben kann, aber darin einen Beleg sieht, dass seine Rechnung aufgeht. Während andere Hersteller und Händler verzweifeln, spricht Iser frohgemut von einem "nachwachsenden Markt".
Gut gelaunt ist dieser Iser, keine Frage. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass er bisher keine seiner Entscheidungen bereut hat und über einen gesunden Optimismus verfügt. Er weiß, dass er seinem Bauchgefühl trauen kann, und weiß auch, dass die gute alte Analyse trotzdem nicht schadet. Der Mann ist bodenständig und ruht in sich selbst. Und er will mehr, weil er nicht zu den Verzagten zählen will. Sein Geschäft mit den Kinderschuhen muss ebendiesen entwachsen, und zwar bald. Iser, ganz Berater: "Aus dem Planspiel muss ein großes Spiel werden."
Willy Steffen Iser, 40, ist Gründer und Chef der RaccoonKids GmbH, die unter dem Label Cangorino hochwertige Kinderschuhe herstellt und verkauft. Iser wurde 1967 als Sohn eines Textilfabrikanten in Aschaffenburg geboren, studierte in Innsbruck Betriebswirtschaftslehre und stieg direkt nach dem Studium 1995 als Salesmanager bei BT Deutschland/ Viag Interkom ein, wo er bis 1999 arbeitete.
Von 1999 bis 2003 war er Headhunter bei der Frankfurter Personalberatung Ray & Berndtson. 2003 gründet er mit 100 000 Euro Eigenkapital Cangorino. Der erste Laden eröffnete im März 2004 in Hamburg. 2006 wurden 6 000 Paar Schuhe verkauft, 2007 dann 10 000 Paar, in diesem Jahr sind 12 000 angepeilt. Produziert werden die Schuhe in Marokko. Ihr Vorteil gegenüber anderen Fabrikaten: Sie werden millimetergenau gefertigt, denn abhängig vom Material können Schuhe derselben Größe unterschiedlich ausfallen. Iser ist verheiratet und hat eine Tochter.
