Dabei sah es für den Bankier im Jahr 2000, seinem letzten vollen Jahr als Vorstandschef der Commerzbank, gar nicht rosig aus. Dem gelernten Bankkaufmann waren Fantasy-Storys von Analysten, Börsen und Investmentbankern immer ein Gräuel, verschont davon blieb er nicht. Die Aktionärsgruppe Cobra brachte sein Lebenswerk in Gefahr. Mit einem 17-prozentigen Aktienpaket im Rücken plante die Cobra-Gruppe unter Führung des Ex-Dresdner-Bank-Vorstands Hansgeorg Hofmann, „die kleinste deutsche Großbank in die Arme eines starken Partners zu führen“.
Aber nicht mit Kohlhaussen! Dünnhäutig, jedoch letztlich erfolgreich stemmte er sich gegen die Großanleger: „Mit Forderungen wie: „,Nun verkaufen Sie doch endlich Ihre Beteiligungen! Machen Sie Geld! Das bringt den Kurse nach oben!’“ könne er als „verantwortungsbewusster Bankchef“ nichts anfangen, skizzierte Kohlhaussen seinen Standpunkt.
Trotz des Siegs über Cobra – dem Pfarrerssohn mit einem Faible für historische Romane, Bach-Sinfonien und Golf blieben Niederlagen nicht erspart. So war die Commerzbank einer der Hauptgläubiger des Vulkan-Werftenverbunds, der 1996 pleiteging. Harte Stunden erlebte Kohlhaussen auch bei zwei Anleihen des niederländischen Flugzeugherstellers Fokker. Als die Mutter Daimler-Benz AG Anfang 1996 Fokker den Geldhahn zudrehte und die Bonds wertlos wurden, trafen Massenproteste den Konsortialführer Commerzbank. Für negative Schlagzeilen sorgte die Commerzbank darüber hinaus im Februar 1996, als ein Großaufgebot von 250 Staatsanwälten und Steuerfahndern die Frankfurter Zentrale und mehrere Filialen heimsuchte, um Steuerbetrügern auf die Schliche zu kommen.
Doch der „schattenhaft diskrete“ Kohlhaussen, „stiller Macher“ mit ungeheurer Energie, hat Krisen und Störfälle immer auch als Chance gesehen, die Commerzbank voranzubringen. Er war nie ein Visionär und wollte es auch nicht sein. Sehr viel hingegen hielt der Bankier alten Schlages von Menschen, die ihr Handwerkzeug beherrschen. Kohlhaussen beherrschte es in- und auswendig.
