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10.01.2007 
Ralf Däinghaus

Der Unruhestifter

von Anna Sleegers

Wie ein Kämpfer sieht Ralf Däinghaus mit seinem rundlichen Gesicht nicht gerade aus. Doch der gemütliche Eindruck täuscht: Der Gründer des niederländischen Pharmaversandhändlers Doc Morris gilt seit Jahren als Schreck der deutschen Apotheker. Jetzt lockt er die wirtschaftlich stärksten mit einem Marketingabkommen.

Alles andere als harmlos: Doc-Morris-Gründer Ralf Däinghaus. Foto: dpaLupe

Alles andere als harmlos: Doc-Morris-Gründer Ralf Däinghaus. Foto: dpa

FRANKFURT. Seit fast einem Jahrzehnt führt er einen erbitterten Stellungskrieg gegen die deutsche Apothekerzunft. Als Schützengraben dient ihm die Kluft, die sich auftut zwischen dem europäischen Grundsatz der Niederlassungsfreiheit und der deutschen Gesetzgebung, die den Besitzstand der rund 21 000 deutschen Apotheker wahrt.

Seit einiger Zeit wird das Gefecht auch auf der symbolischen Ebene geführt. Als die Besitzerin der Luisen-Apotheke im saarländischen St. Wendel die Marketingvereinbarung mit Doc Morris unterzeichnete, wurde als Erstes das rote Apotheken-A abgeschraubt. Auch bei künftigen Partnerschaften – in der kommenden Woche soll in Norddeutschland die zweite Lizenzapotheke an den Start gehen – soll das Wahrzeichen der deutschen Apothekerzunft durch das grüne Firmenlogo ersetzt werden.

Die Hoffnung: Weniger angreifbar sein

„Diesem Augenblick werde ich selbstverständlich jedes Mal beiwohnen“, sagt Däinghaus. Ein kleiner Scherz, dem rasch die Belehrung folgt, dass Doc Morris ein Wirtschaftsunternehmen und kein Apothekerschreck sei. „Die Firma gehört zu 80 Prozent Finanzinvestoren, die mir einen Kleinkrieg mit den Apothekern gar nicht finanzieren würden.“ Prozesskosten scheuen sie indes nicht. Um eine eigene Apotheke in Saarbrücken zu betreiben, streitet Doc Morris in zweiter Instanz mit konkurrierenden Apothekern.

Mit der Marketingkooperation hofft Däinghaus, sich weniger angreifbar zu machen. Das nüchterne Ziel umreißt er so: „Wir wollen die Vertragsfreiheit nutzen, die mit der Gesundheitsreform auf Kassen und Apotheken zukommt.“ Rabattverträge mit großen Kassen sollen den Doc-Morris-Apotheken hohe Umsätze garantieren. Die Versicherten profitieren ebenfalls – etwa bei den Zuzahlungen oder dank niedriger Beiträge.

Bei den Finanzinvestoren mag ein weiteres Kalkül eine Rolle spielen. Nach geltendem Recht dürfen Apotheker maximal vier Apotheken besitzen. Fällt das so genannte Mehrbesitzverbot, wie in Großbritannien und den Niederlanden geschehen, böte eine funktionierende Marketingkooperation eine gute Basis, um eine Apotheken-Kette aufzubauen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Ich wollte immer irgendetwas machen, das es bis dahin nicht gab“

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