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05.09.2008 
Nach der Bankfusion

Der zurückhaltende Aufräumer

von Hans G. Nagl

Michael Reuther hat eine Aufgabe vor sich, an der schon zwei andere gescheitert sind: Er muss das Investment-Banking der Commerzbank abspecken. Zwar scheint Reuther nicht in die Welt der Investment-Banker zu passen. Doch dies könnte sich als Vorteil erweisen.

Unruhige Zeiten für die Commerzbank. Foto: APLupe

Unruhige Zeiten für die Commerzbank. Foto: AP

FRANKFURT. Michael Reuther ist nicht zu beneiden. Und das hat vor allem zwei Gründe. Erstens muss er als Chef des neuen Investment-Bankings der Commerzbank die Dresdner Kleinwort (DKIB) radikal eindampfen und auf Kurs bringen - eine Aufgabe, an der vor ihm bereits andere gescheitert sind. Zweitens spricht einiges dafür, dass er dafür mehr oder minder der Notnagel ist.

Denn eigentlich sollte DKIB-Chef Stefan Jentzsch an Bord des neuen Bankenschwergewichts bleiben. Ob Reuther in diesem Tandem die Nummer eins gewesen wäre, darf man anzweifeln. Doch Jentzsch lehnte ohnehin dankend ab, womit Reuther im Spiel war. Und manche glauben, dass der 49-Jährige aus Hannover am Ende womöglich sogar die bessere Wahl sein könnte.

Auf den ersten Blick ist das schwer vorstellbar. Mit der schnellen, Adrenalin-getriebenen Welt der Investmentbanker hat Reuther ungefähr so viel gemeinsam, wie ein Omnibus mit dem Nürburgring. "Er wirkt unwahrscheinlich steif", sagt jemand, der ihn näher kennt. Über die Hobbys des Juristen ist wenig bekannt. Aber wie Jentzsch Ferraris zu sammeln, käme für ihn nicht in Frage. "Das ist kein Investmentbanker", heißt es selbst in der Commerzbank über den Vater von zwei Kindern. Reuther hat fast sein ganzes berufliches Leben im Treasury - also der Liquiditätssteuerung - der Deutschen Bank verbracht. Über fast 20 Jahre hinweg arbeitete er sich dort hoch, bevor ihn dann im Oktober 2006 der damalige Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller in den Vorstand holte.

Vielleicht ist es ja auch gerade Reuthers zurückhaltende Art, die ihn für die Aufräumarbeiten bei der DKIB prädestiniert. Denn sein vermeintlich steifes Auftreten paart sich Kollegen zufolge mit einer äußerst ruhigen, effizienten Arbeitsweise. Angenehm sei Reuther, ohne jeden Dünkel und gleichzeitig durchaus brillant in seinem Handeln. Mitunter blitze sogar eine gehörige Portion Selbstironie und Humor durch - letzterer natürlich so trocken, wie man es von einem erwarten kann, der neun Jahre lang in Göttingen und Freiburg Jura studiert hat.

Bei der Commerzbank hat sich Reuther bislang im Hintergrund gehalten. Auch dort verantwortete er zunächst das Treasury sowie die Staatsfinanzierung. Dass die Integration bei der maroden Tochter EssenHyp, die im Herbst vergangenen Jahres voll übernommen wurde, zumindest nach außen hin weitgehend ruhig verlief, gilt als sein Verdienst. Als Nicholas Teller, also oberster Investmentbanker der Commerzbank Ende März seinen Stuhl räumte, wurde Reuther das Ressort zusätzlich angedient. Damals hieß es übrigens "bis auf weiteres". Nach der Absage von Stefan Jentzsch dürfte diese Einschränkung hinfällig geworden sein.

"Blaues" Blut

1959 Reuther wird am 16. April in Hannover geboren

1977 Abitur, im Anschluss Wehrdienst

1978 Jura-Studium an den Universitäten Göttingen und Freiburg, Rechtsreferendariat

1987 Einstieg als Management Trainee bei der Deutschen Bank in Osnabrück

1989 Wechsel in die Frankfurter Zentrale in den Bereich Unternehmensfinanzierung (Corporate Finance)

1991 Reuther macht seine ersten Schritte im Treasury der Deutschen Bank

1992 Wechsel in die New Yorker Niederlassung

1995 Reuther wird Konzernleiter Liquiditäts-Management in Frankfurt

2000 Leiter Treasury in London

2003 Leiter Treasury Europa in Frankfurt

2006 zum 1. Oktober Wechsel in den Commerzbank-Vorstand, seit März 2008 zuständig für Corporates & Markets

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