Abgesehen von der Tatsache, dass sie genug Selbstbewusstsein und Beharrlichkeit mitbrachten, um sich in einer Männerwelt durchzusetzen, haben die beiden Frauen wenig gemeinsam. Rivers-Bulkeley genoss den Ruf eines glamourösen Party-Girls und gehörte zu den Gründern des noblen Nachtclubs Annabel’s. Furse gilt dagegen als nüchtern, bodenständig und öffentlichkeitsscheu. Ihr Handwerk hat sie von der Pieke auf gelernt.
Die Tochter holländischer Eltern wuchs in Kanada auf und spricht fünf Sprachen. Ihre berufliche Karriere startete sie bei der LSE, allerdings bei der anderen LSE, der London School of Economics. Nach dem Wirtschaftsstudium arbeitete sie als Rohstoffhändlerin, wechselte zur London Metal Exchange und später als Anleihehändlerin zum Broker Phillips & Drew. Als der von der Schweizer Großbank UBS übernommen wurde, stieg Furse zur Chefin des Futures- und Optionenhandels auf. Die Managerin kennt das hemdsärmelige Händlermilieu ganz genau.
Gemessen an der Entwicklung des Aktienkurses dürfte es in den vergangenen Jahren nur wenig erfolgreichere Manager als Furse gegeben haben. Die Vorstandschefin konzentrierte sich vor allem darauf, das alte Handelssystem der Londoner Börse auf den neuesten Stand zu bringen. Seit zwei Jahren meldet die LSE Quartal für Quartal Rekordzahlen. Während die Deutsche Börse ihren Neuen Markt längst beerdigt hat, entwickelte sich das LSE-Pendant AIM zur führenden Adresse für Börsengänge von Wachstumsunternehmen.
Doch trotz dieser Erfolge stößt Furse bei einigen City-Bankern noch immer auf Skepsis. Das liegt vor allem an einer Niederlage in ihrer Anfangszeit als LSE-Chefin. Als sich die Londoner Terminbörse Liffe Anfang 2002 meistbietend zum Kauf anbot, schnappte die Vierländerbörse Euronext Furse das Objekt der Begierde vor der Nase weg. Ein folgenreicher Faux Pas. „Das war der größte anzunehmende Unfall“, meint ein Investmentbanker. „Ohne diese Niederlage wäre die LSE vielleicht nie zum Übernahmeobjekt geworden“.
Auch in ihrem Abwehrkampf gegen die Nasdaq hat Furse ihr Blatt nach Meinung einiger Investoren inzwischen überreizt. Viele zweifeln an dem Versprechen, dass die LSE alleine die besseren Wachstumschancen hat, als in einem transatlantischen Börsen-Bündnis. Die größte Furcht der Aktionäre: Sollte Furse die Nasdaq tatsächlich endgültig abblitzen lassen, droht ein empfindlicher Kurssturz.
Lange Abwehrschlacht
Feindliche Offerte:
Am 12. Dezember des vergangenen Jahres hat die New Yorker Technologiebörse Nasdaq ein 2,7 Mrd. Pfund schweres feindliches Übernahmeangebot für die Londoner Börse LSE abgegeben. Am Ende werden Hedge-Fonds über das Schicksal de LSE entscheiden. Die spekulativen Investoren halten derzeit rund 30 Prozent der Anteile an der Londoner Börse. die Nasdaq selbst hat sich durch Zukäufe am Markt bereits 28 Prozent an der LSE gesichert.
Ungewisses Ende:
Der Aktienkurs der LSE liegt mit 12,84 Pfund noch immer über den 12,43 Pfund, die die Nasdaq den Aktionären geboten hat. Viele Investoren hoffen deshalb auf eine Erhöhung der feindlichen Offerte. Das Angebot der amerikanischen Technologiebörse läuft bis zum 11. Januar, kann aber bis zum 10. Februar verlängert werden.
