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26.11.2007 
Krise an den Kreditmärkten

„Die Krise wird uns begleiten“

von Michael Maisch

Die Köpfe hinter den Deals: Christian Meissner ist der Co-Leiter des europäischen Investmentbankings von Lehman Brothers. Der gebürtige Österreicher wirkt so, als könne ihn nichts erschüttern, aber die Krise an den Finanzmärkten hat auch bei ihm Spuren hinterlassen: Der Markt benötige eine Neuorientierung – die Zeit der großen Übernahmen sei vorbei.

Das Hauptquartier von Lehman Brothers, der viertgrößten Investment-Bank der Wall Street. Foto: apLupe

Das Hauptquartier von Lehman Brothers, der viertgrößten Investment-Bank der Wall Street. Foto: ap

LONDON. Christian Meissner wirkt robust und gefasst, das leise etwas spöttische Lächeln verschwindet nur selten aus seinem Gesicht. Aber die große Krise an den weltweiten Kreditmärkten hat auch den Co-Leiter des europäischen Investmentbankings von Lehman Brothers das Fürchten gelehrt – zumindest für einen kurzen Moment. „Die erste August Woche machte einen schon ziemlich nervös“, räumt der gebürtige Österreicher ein. Und die Krise wird die Märkte noch bis weit ins kommende Jahr in Atem halten. „Die vorübergehende Erholung war beeindruckend, aber jetzt erleben wir die zweite Welle“, sagt Meissner. „Das Misstrauen der Investoren wird uns noch lange begleiten“.

In jener August-Woche, die Meissner das Fürchten gelehrt hat, war zum ersten Mal klar geworden, wie ernst die Krise tatsächlich ist. Die Banken wurden untereinander so misstrauisch, dass sie sich gegenseitig kaum Geld leihen wollten. Um das Austrocknen der Liquidität zu verhindern, pumpte die Europäische Zentralbank Milliarden in den Geldmarkt. „Mit ihrem schnellen Eingreifen hat sich die Notenbank großen Verdienst erworben“, sagt Meissner, und wie alle seine Aussagen klingt das sehr nüchtern.

Das gilt auch, wenn er über die Folgen der großen Krise spricht. Nach Meissners Meinung ist die Zeit der großen Übernahmen durch Finanzinvestoren erst einmal zu Ende. Nach den jüngsten Schocks benötige der Markt eine Phase der Neuorientierung, die sich noch sechs bis zwölf Monate hinziehen könnte. Das selbe gelte für den Markt für komplexe Kreditinstrumente, die im Zentrum der aktuellen Krise stehen. Meissner glaubt nicht, dass die Kreditderivate nach den Verwerfungen der vergangenen Monate völlig verschwinden werden. Der Markt brauche aber dringend mehr Transparenz. „Einige dieser Instrumente waren wie eine Black Box und manche Investoren haben nicht genügend Zeit und Energie darauf verwendet, zu verstehen, wie diese Geschäfte exakt funktionieren

.

Es sind derzeit keine gute Zeiten für Investmentbanken. Weltweit mussten die Geldhäuser wegen der Kreditkrise in den vergangenen Wochen über 50 Mrd. Dollar abschreiben. Meissners Arbeitgeber nimmt für sich allerdings in Anspruch die Warnzeichen früh genug erkannt zu haben. „Es gibt sehr große Unterschiede beim Risikomanagement der Banken, besser man bremst 100 Meter vor der nächsten Kurve, Lehman ist da sehr konservativ“, sagt Meissner.

Tatsächlich verdaute Lehman die Tiefschläge der Subprime-Krise bislang vergleichsweise gut. Der Gewinn im dritten Quartal fiel lediglich um drei Prozent und die Bank musste 700 Mill. Dollar abschreiben. Deutlich weniger als die direkten Konkurrenten von der Wall Street.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Zeiten werden härter.

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