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10.10.2008 
Juristen forderten vergeblich eine gesetzliche Regelung

„Die Politik hat eine strengere Managerhaftung verhindert“

von Thorsten Giersch

Vor allem Banker wie Georg Funke, der die Hypo Real Estate beinahe in die Insolvenz führte, erregen bei Vielen eine Frage: Wieso müssen Manager nicht stärker für ihre Fehler haften? Nun fordern auch Poltiker strengere Gesetze. Dabei haben sie es selbst seit Jahren versäumt, klare Vorschriften auf den Weg zu bringen. Das sagt Rechtsanwalt Andreas Tilp.

Manager wie Georg Funke, ehemaliger Vorstandschef der Hypo Real Estate, ließen die Forderungen nach strengerer Managerhaftung aufkommen. Foto: apLupe

Manager wie Georg Funke, ehemaliger Vorstandschef der Hypo Real Estate, ließen die Forderungen nach strengerer Managerhaftung aufkommen. Foto: ap

Herr Tilp, was unterscheidet aus juristischer Sicht die Managerhaftung in Deutschland von der in anderen Ländern, vor allem in den USA?

„In Deutschland gibt es einen großen Unterschied zwischen der Binnen- und der Außenhaftung. Manager in Deutschland haften lediglich gegenüber ihrem Unternehmen, nicht gegenüber Dritten - anders als in den USA. Aus Sicht der Manager ist die Binnenhaftung ein zahnloser Tiger. Und ein Gesetz zur Außenhaftung kam bis heute nicht zustande.“

Warum nicht?

„Die offizielle Begründung lautete 2004: Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit. Auf diese Gründlichkeit warten wir bis jetzt. Daher ist es durchaus interessant, wenn sich vor allem SPD-Politiker über das Verhalten von Managern beschweren und strengere Gesetze fordern, sie haben das damals verschleppt. Zum Hintergrund: Damals war Heinrich von Pierer Berater der Regierung und es ist kein Geheimnis, dass er sich gegen ein Gesetz zur Außenhaftung ausgesprochen hat. Aus gutem Grund, wie wir heute wissen.“

Offenbar nutzt die verschärfte Haftung nicht besonders viel – wie man z.B. in den USA sieht.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass es ohne die strengeren Gesetz dort noch viel mehr Skandale gäbe.“

Inwiefern könnte die Psychologie ein Rolle spielen, wenn Manager in Handschellen abgeführt werden?

„Es ist bewiesen, dass strenge Gesetze, die auch eine zivilrechtliche Haftung nach sich ziehen, Manager abschrecken. In den USA gehen ja regelmäßig Bilder durchs Fernsehen, wie Unternehmenslenker in Handschellen abgeführt werden. Das mindert die Risikibereitschaft.“

Sie sind ja auch Experte für Anlegerschutz: Inwiefern könnte eine strengere Managerhaftung auch Vorteile für den Anleger haben?

„Der Anleger hätte zumindest die Möglichkeit, zivilrechtlich gegen den Manager vorzugehen. Das ist vor allem dann von großem Vorteil, wenn das Unternehmen pleite ist man man von dieser Seite nichts mehr holen kann.“

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