In Mailänder Finanzkreisen gilt die Erstgeborene der Ligresti-Familie als sympathisch und ambitioniert. Sie will nicht nur bei den Reit-Wettkämpfen gewinnen, sondern auch im wirtschaftlichem Tauziehen: Als Chairwoman begleitete sie aktiv die Übernahme des Konkurrenten Fondiaria. „Das hat länger gedauert als eine komplette Schwangerschaft“, erinnert sie sich in dem Interview. Tatsächlich habe die Schwangerschaft ihres Sohnes etwa zeitgleich begonnen, „aber ich hätte nie gedacht, dass Paolo Giovanni viel, viel früher, gekommen wäre“ als der Fusionsabschluss, der länger als ein Jahr auf sich warten ließ. Heute ist der fusionierte Versicherer die Nummer vier in Italien, mit einem Marktanteil von knapp zehn Prozent, bei den Autoversicherungen sogar ein Viertel.
Jonella Ligrestis Geschichte ist eine Erfolgsstory, die in Italien nur selten anzutreffen ist. Die Suche nach weiblichen Vertretern in Verwaltungsräten ist fast aussichtslos. Bei italienischen Unternehmen stellen Frauen im Durchschnitt gerade einmal zwei Prozent der Verwaltungsratsmitglieder, bei den Banken und Versicherungen sieht es noch schlechter aus. Als Faustregel gilt jedoch: Verwandtschaft hilft: Fast alle Frauen in Italiens Unternehmensspitzen haben familiäre Bande vorzuweisen. Das gilt auch für die Präsidentin der mächtigen Finanzholding Fininvest: Marina Berlusconi ist die Tochter aus erster Ehe des ehemaligen Regierungschefs Silvio Berlusconi.
Erfolg mit Schadensversicherungen
Die Firma: Fondiaria-Sai ist Ende 2002 aus dem Zusammenschluss der beiden gleichnamigen Versicherer entstanden. Heute ist Fondiaria-Sai die Nummer vier in Italien und landesweit mit knapp 6 000 Mitarbeitern tätig. 2005 lagen die Prämieneinnahmen bei 9,5 Mrd. Euro. Hauptaktionär ist Premafin, die Familien-Holding der Ligresti.
Geschäftsbereiche: Schadensversicherungen und Rückversicherungen sind das Hauptgeschäft von Fondiaria-Sai. Lebensversicherungen machen nur ein Viertel des Geschäfts aus.
Ihre Zahlen: Der Nettogewinn hat sich von 2002 bis 2004 versiebenfacht. 2005 lag das Nettoergebnis bei 586 Mill. Euro. Doch für 2006 rechnen Analysten mit einem Rückgang auf 450 Mill. Euro.
