Michaela wächst wie selbstverständlich mit dem Unternehmen auf. Mit 14 hilft sie bei der Torfernte in Kanada. Fürs Studium kommt für sie nur die USA infrage. In den Semesterferien arbeitet sie im väterlichen Unternehmen. Bei einem Auslandssemester lernt sie in St. Petersburg Russisch. Französisch perfektioniert sie bei einem Aufenthalt in Paris an der American Business School. Verschiedene Praktika bei Konzernen wie Nestlé France folgen. Nichts scheint sie dem Zufall zu überlassen.
Im Gespräch lässt sie keinen Zweifel daran, dass dieser Antrieb aus ihr kommt. Alle Unternehmen, bei denen sie war, hätten sie gerne behalten und angeboten, dass sie jederzeit kommen kann, wenn es im eigenen Betrieb nicht klappt.
Mitarbeiter bestätigen, dass sie der Juniorchefin durchaus auch eine Karriere in einem Großunternehmen zutrauen. Vater Aurenz sagt nur dazu: „Mich freut, dass es ihr mit ihren Voraussetzungen hier Spaß macht.“ Das Vertrauen scheint grenzenlos. Mitten im Gespräch muss der Senior gehen. Er fährt nach Wolfsburg zur einer Besprechung mit Wolfsburger Managern. Helmut Aurenz sitzt im Aufsichtsrat der VW-Tochter Audi.
Blumenerde, Torf, Dünger – klingt nicht gerade sexy für eine junge Frau, der die ganze Welt offensteht. „Doch“, sagt sie, „Blumenerde ist etwas Schönes, Natürliches. Aus ihr wachsen Pflanzen.“ In einem Rüstungskonzern könne sie nicht arbeiten. Auf Umweltschäden durch den Torfabbau angesprochen, sagt sie nur: „Unsere Projekte zur Renaturisierung kann sich gern jeder anschauen.“
Gerne hätte sie sich noch mehr bei einem anderen Unternehmen umgeschaut. Aber ihr sei es sehr wichtig gewesen, jetzt noch einige Jahre mit ihrem Vater zusammenzuarbeiten, um von ihm zu profitieren. Den Vertrieb USA und Frankreich hatte sie schon seit einem Jahr eigenständig betreut. Gerade bei den US-Kunden ist eine andere Generation am Ruder. Geschäfte mit Handschlag, wie sie ihr Vater kennt und beherrscht, sind seltener geworden. „Da wird knallhart mit Kennzahlen um den letzten Cent gefeilscht“, weiß die Juniorchefin. Das brauche sich ihr Vater nicht mehr antun.
Sie findet es faszinierend, oben in einem Unternehmen einzusteigen. „Hier kann ich gestalten. In einem Großunternehmen müsste ich mich da länger gedulden“, sagt Michaela Aurenz. Geduld scheint wirklich nicht ihre Sache zu sein.
