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11.01.2008 

Die Erfahrung ist sein dickes Plus, denn GE gilt nicht nur in Amerika als Vorbild in der Korruptionsbekämpfung. Ein Beispiel: Damit die Mitarbeiter die Karten schnell auf den Tisch legen, hat Solmssen ein Amnestieangebot gemacht, das noch bis Ende des Monats gilt. Wer aussagt, der braucht keine Angst vor Schadensersatzforderungen zu haben und muss sich nicht sorgen, den Job zu verlieren.

Unten, in den Verästelungen des Siemens-Reiches, ist der verheiratete Vater von drei Kindern allerdings noch nicht so recht angekommen. „Würde man mir ein Bild von ihm zeigen, ich wüsste nicht, wie er aussieht“, sagt ein Siemensianer aus München. Der Mann ergänzt: „Die Antikorruptionsmaßnahmen sind für mich jedenfalls nicht mit seinem Namen verbunden.“ Ein ähnliches Bild zeichnet ein Beschäftigter in Erlangen, dem weltweit größten Standort. „Hier hat sich Herr Solmssen noch nicht blicken lassen.“

Einig sind sich viele Siemensianer hingegen, dass Solmssens Kampf gegen die Korruption nötig ist. „Wir wollen, dass es wieder so wird wie früher, wir möchten wieder stolz sein auf Siemens“, sagt ein Mitarbeiter in Erlangen.

Kunst- und Opernliebhaber Solmssen ist überzeugt, dass sein Antikorruptionskurs goutiert wird. „Die Mitarbeiter wollen keine Korruption. Deshalb kommt es im Unternehmen gut an, wenn wir den Leuten Rückendeckung geben, bei Korruption ganz klar Nein zu sagen.“

Doch der sportliche Jurist denkt weiter, über den Korruptionssumpf hinaus. Er will, dass sich die Hausjuristen stärker ins Geschäft einmischen, eine aktive Rolle spielen. Er erinnert sich noch gut, wie sich die amerikanischen Unternehmen immer diebisch gefreut hätten, wenn die Europäer ohne Anwalt zu Verhandlungen gekommen seien. Dass ein selbstbewusster Siemens-Jurist künftig mit am Tisch sitzt, ist eines der großen Vorhaben von Solmssen.

Vita

1955

Solmssen wird am 24. Januar in Philadelphia geboren. Später studiert er in Harvard und Oxford und macht einen Abschluss in Jura in Philadelphia.

1980

Er beginnt seine Karriere als Anwalt an einem Bezirksgericht in seinem Heimatstaat Pennsylvania.

1982

Er spezialisiert sich auf Wertpapierrecht und Übernahmen.

1989

Der Jurist wechselt zur Kanzlei Morgan, Lewis & Bockius und arbeitet in Frankfurt.

1998

Er wird Chefjustiziar der Plastiksparte von General Electric (GE) und wechselt 2002 in die GE-Medizinsparte.

2007

Im Oktober zieht er in den Vorstand von Siemens ein. Ressort: Recht und Compliance.

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