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21.05.2008 
Harald Stöber

Ein Bergsteiger vor dem Abstieg

von Sandra Louven und Till Hoppe

Harald Stöber hat den größten Telekom-Wettbewerber Arcor aufgebaut – Jetzt hat Vodafone den Festnetzanbieter ganz übernommen. Und Stöber droht die Entmachtung.

Harald Stöber gehört zu den Mobilfunkpionieren in Deutschland. Foto: dpaLupe

Harald Stöber gehört zu den Mobilfunkpionieren in Deutschland. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Kraftzehrende Wanderungen und steile Anstiege ist Harald Stöber als begeisterter Bergsteiger gewöhnt. Dabei bringt der Chef des größten Telekom-Wettbewerbers Arcor sich genauso wie bei der Arbeit mit allem ein, was er hat. Auf der Computermesse Cebit im vergangenen März staunten Geschäftspartner deshalb nicht schlecht, als sie einen völlig neuen Stöber sahen. Um mindestens drei Kleidergrößen war der kernige Manager leichter geworden – als Folge eines intensiven Wandertrainings, wie er erklärte.

Die Fitness wird er in der nächsten Zeit brauchen. Anfang der Woche hat die Arcor-Mutter Vodafone das restliche Viertel der Anteile an ihrer Festnetztochter gekauft. Damit ist der Weg frei, um Arcor komplett in der Mutter aufgehen zu lassen. In rund fünf Jahren soll es die Marke Arcor schon gar nicht mehr geben, hat Vodafone-Chef Friedrich Joussen bereits angekündigt.

Das ist ein herber Schlag für Stöber. Dem 55-Jährigen, der seine gesamte Laufbahn bei Arcor und dessen früherem Mutterkonzern Mannesmann verbracht hat, droht nun die Entmachtung.

„Stöber ist Arcor“, heißt es in der Branche. Er bereitete 1990 den Einstieg des Maschinenbaukonzerns in den Mobilfunkmarkt vor. 1997 kürte ihn der Konzern zum Chef seiner Festnetztochter, auch nach der Übernahme durch Vodafone – drei Jahre später – behielt er seinen Posten.

Mit vollem Elan kämpfte er für mehr Marktanteile und gegen die Vormachtstellung der Deutschen Telekom. Lange Zeit war Arcor das ungeliebte Anhängsel von Vodafone, weil es nach der Mannesmann-Übernahme die einzige Festnetztochter des britischen Konzerns war. Vor zwei Jahren folgte aber der Strategieschwenk: Vodafone bekannte sich zu Arcor und kauft seitdem auch in anderen Ländern zu, um DSL und Mobilfunk aus einer Hand anzubieten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Stöber verstehe sich nicht mit Vodafone-Chef Joussen, heißt es in der Branche

Und jetzt? Offiziell heißt es bei Vodafone und Arcor, Stöber werde auch künftig das Unternehmen führen. Die geplante engere Zusammenarbeit mit Vodafone werde vorerst keine Auswirkungen auf die Führungsstruktur haben – also auch nicht auf die Kompetenzen Stöbers.

In der Branche jedoch ist zu hören: Stöber verstehe sich überhaupt nicht mit Joussen. „Die beiden können nicht miteinander, und Joussen übernimmt jetzt Stöbers Lebenswerk – das ist schon bitter“, sagt ein langjähriger Weggefährte.

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