Thomas Winkelmann kam erst im vergangenen September von der Mutter – allerdings nicht aus der Zentrale am Frankfurter Flughafen. In den Vereinigten Staaten führte er seit 1998 in verschiedenen Positionen die Geschäfte – und beobachtete Konkurrenten wie Jetblue. Die weltweit größte Billigfluglinie profilierte sich früh mit Kleinigkeiten wie blau eingefärbten Kartoffelchips als Marke und institutionalisierte den Direktverkauf übers Internet.
Die acht Jahre in New York und Miami haben ihre Spuren hinterlassen. „Hi Guys“, begrüßt Winkelmann zwei Mitarbeiter beim Pförtner in Köln. Im Gespräch sucht er einige Augenblicke nach dem richtigen deutschen Ausdruck für „aircraft utilisation“, und seine Zufriedenheit äußert er in dem Ausruf: „Der Job ist super!“ Seine lockere Art kommt nicht überall an. Ein Geschäftspartner nennt es die „amerikanische Cowboymentalität: laut, locker, leichtfüßig“.
Den lilagelben Vogel der Lufthansa will Winkelmann flügge machen. Sein Vorbild sind Onlinehändler: „Germanwings soll sich wie Amazon weiterentwickeln. Das Angebot muss um das Kernprodukt Buch beziehungsweise Flug ausgeweitet werden.“ Dazu zählt er den Zug zum Flug, Hotel und Mietwagen.
Die Flucht nach vorn ist die einzige Lösung in einer Branche, in der Größe auch Stärke ist: Aus Hapagfly und HLX ist Tuifly geworden, und Air Berlin ist mit der Billiglinie DBA und dem Ferienflieger LTU zur Nummer zwei in Deutschland aufgestiegen.
Großen Worten hat Winkelmann bisher aber keine großen Taten folgen lassen. Die Pläne für Dortmund und die 19-Euro-Kampagne sind vor seiner Zeit entstanden. Winkelmann gilt als „Alleinkämpfer“. So pflegt er keinen engeren Kontakt zum zweiten Geschäftsführer Joachim Klein, der vom Vorgänger Eurowings stammt und Germanwings mit aufbaute.
Winkelmann geht nur kleine Schritte. Der Anteil der Geschäftskunden liegt zwar schon bei 42 Prozent. Winkelmann will noch mehr und bietet einen flexiblen Tarif zum Festpreis von 169 Euro an, der die kostenlose Umbuchung und Stornierung erlaubt. Doch von den Tugenden der Billigfliegerei wie dem Direktverkauf via Internet und der freien Sitzplatzwahl will er nicht abrücken. „Keep it simple. Komplexität kostet Geld“, sagt er.
Wie sehr er auf die Kosten achten muss, wird jedem klar, der die Firmenzentrale besucht. Die Möbel in Winkelmanns Büro sowie in allen anderen Räumen am Flughafen Köln-Bonn sind schlicht. Sie stammen aus der Konkursmasse eines Call-Centers.
Und sein Dienstwagen? Ist ein Mini Cooper im Corporate Design von Germanwings. Mit dem fährt nicht nur der Chef selbst zur Arbeit und zu Terminen. Tagsüber dürfen ihn auch Mitarbeiter benutzen. „Der Mini Cooper ist flink und frech!“ sagt Winkelmann, der Freak im Lufthansa-Konzern.
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