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23.04.2008 
Leonhard Birnbaum

Ein Meckie ohne Allüren

von Jürgen Flauger und Dieter Fockenbrock

Ex-McKinsey-Berater Leonhard Birnbaum soll in den Vorstand von RWE aufrücken. Das wünscht sich zumindest der Chef des Energiekonzerns, Jürgen Großmann. Der 40-jährige Birnbaum gilt als Mann mit Bodenhaftung. Er pflegt einen ähnlich zupackenden Führungsstil wie Großmann.

Konzernchef Jürgen Großmann baut RWE um.

Konzernchef Jürgen Großmann baut RWE um.

DÜSSELDORF. Jürgen Großmann hat offenbar ein Faible für McKinsey. Schon zum zweiten Mal will der RWE-Chef einen Manager der Strategieberatung in eine Schlüsselposition hieven - in beiden Fällen muss er aber noch Überzeugungsarbeit leisten. Ex-McKinsey-Chef Jürgen Kluge soll nach Großmanns Wunsch neuer Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft werden, auch wenn sich kleinere Mitgliedsunternehmen noch dagegen sträuben. Und im kommenden Jahr würde er gerne den erst 40-jährigen Ex-McKinsey-Berater Leonhard Birnbaum in den Vorstand befördern.

In Kreisen des Aufsichtsrats wurde gestern zwar betont, dass die Personalie weder bereits behandelt worden sei noch zur Entscheidung anstehe. Doch aus dem Umfeld des RWE-Chefs hieß es: "Großmann will Birnbaum zum Vorstand machen - und dann wird er es auch."

Mit viel weniger dürfte sich Birnbaum auch kaum zufriedengeben, zumindest nicht mit dem Posten des Bereichsleiters für Konzernentwicklung, den er vor zwei Wochen bei RWE angetreten hat. Bei McKinsey, für das er seit seiner Promotion 1996 ohne Unterbrechung arbeitete, hat Birnbaum schließlich eine steile Karriere hingelegt. Mit 32 Jahren wird er jüngster Partner und steigt mit 36 Jahren bereits als Senior Partner in den obersten Beraterkreis auf.

Birnbaum wird von Kollegen als "einer der fähigsten Jungs bei McKinsey" beschrieben. Er sei hochkompetent, ein sehr analytischer Kopf, aber "absolut auf dem Boden ohne jegliche Beraterallüren". Eher ein untypischer Meckie, wie McKinsey-Berater sich nennen.

Mit diesem Profil passt er bestens zu RWE-Chef Großmann. Der Selfmade-Milliardär, der RWE mehr unternehmerisches Denken beibringen will, legt wenig Wert auf Chef-Attitüden und gilt als Mann, der die Ärmel hochkrempelt. Birnbaum sei sich ebenso nicht zu schade, sich auch mal die Finger schmutzig zu machen.

Was Birnbaum, der privat fest im Ruhrgebiet verwurzelt ist, von McKinsey zu RWE getrieben hat, darüber wird in der Beraterbranche allerdings gerätselt. Die neue Führung unter Deutschland-Chef Frank Mattern war es wohl nicht. Denn Birnbaum gilt als Mann, der seine Überzeugung durchsetzt - egal unter wessen Führung. Eher scheint es, dass er eine neue Herausforderung suchte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Birnbaum kennt RWE von zahlreichen Projekten gut

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