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02.10.2007 
Nicolas Berggruen

Ein Name, der verpflichtet

von Oliver Stock

Nicolas Berggruen, Kunstsammler und Investor, geht unter die Möbelhändler. Er kauft die lukrativen Teile der zusammengebrochenen Schieder-Gruppe.

ZÜRICH. Seit dieser Woche ist er es nicht mehr. Seit dieser Woche ist Nicolas Berggruen in Deutschland nicht mehr vor allem der Sohn des berühmten Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen, sondern er ist auch hierzulande ein Investor: Er steckt sein Geld in Unternehmen, von denen er glaubt, dass sie mehr abwerfen, als sie zunächst gekostet haben. Von der Möbelbranche allgemein hat Berggruen diesen Eindruck nicht unbedingt, von einzelnen Firmen aber schon.

Deswegen hat er jetzt zugegriffen. Berggruens Investmentgesellschaft, die Berggruen Holdings LTD, ist der neue Besitzer mehrerer ausländischer Tochterfirmen des zusammengebrochenen deutschen Möbelimperiums Schieder. "Wir investieren nur in etwas, was wir noch aufbauen können", sagt Berggruen und verbreitet damit Optimismus. "Wir werden niemals Geld ausgeben und dann nichts daraus machen. Investitionen", fügt er hinzu, "verpflichten."

Am Wochenende hat Berggruen den Vertrag mit dem Schieder-Insolvenzverwalter über den Kauf der Liechtensteiner IMS und der österreichischen SEH, beides Schieder-Töchter, unterzeichnet. Das Closing steht noch bevor. Geschätzte 50 Millionen Euro hat Berggruen ausgegeben. Nicht viel für einen, der gewohnt ist, Firmen zu kaufen wie andere Leute ein neues Hemd. Mehr als ein Dutzend hat seine Holding inzwischen zusammen.

Oder sind es vielleicht schon 20? Berggruen zuckt mit den Schultern. So genau weiß er das nun auch nicht. Rund eine Milliarde Dollar verwaltet seine Holding. Immobilien, Aktien und andere Formen der Unternehmensbeteiligungen sind darunter. Egal. Für 3600 der 11 000 Schieder-Mitarbeiter ist der Verkauf eine gute Nachricht. Ihr Arbeitsplatz ist jedenfalls sicherer als vorher.

Falls sie ihrem neuen Chef mal begegnen, werden sie ihn nicht unbedingt erkennen. Dunkle Haare, die machen, was sie wollen, einen - sagen wir - Sieben-Tage-Bart, eine energische Falte über der Nasenwurzel, schmale Figur: Nicolas Berggruen ist keiner dieser glatten Finanztypen, die in Zürich, London, New York oder Singapur überall die gleiche Figur abgeben. Der 46-Jährige ist ein Individualist mit eigenen Plänen. Auch seine engsten Mitarbeiter wissen nie so genau, wo sie nach ihm suchen sollen, wenn sie ihn erreichen wollen. Den Schieder-Deal, den seine Mitarbeiter in Deutschland vorbereitet haben, hat er letztlich am Telefon abgeschlossen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Berlin, Istanbul, Bombay - zu Hause bin ich überall"

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