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03.08.2007 
Jana Eggers

Ein neuer Zungenschlag für Deutschlands Web-Szene

von Thomas Knüwer

Die Amerikanerin Jana Eggers soll den Leipziger T-Shirt-Händler Spreadshirt auf mehr Wachstum trimmen.

Ein T-Shirt von Spreadshirt.Lupe

Ein T-Shirt von Spreadshirt.

BERLIN. Eines Tages sitzt Jana Eggers am Flughafen. Sie trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Fear less, hope more“ (Fürchte weniger, hoffe mehr). Ein junger Mann beobachtet sie länger, dann spricht er sie an. Er beginne gerade eine Umschulung, bei der er zweifele, ob sie ihn weiterbringe. „Dann habe ich Ihr T-Shirt gesehen – das hat meine Einstellung verändert.“ Eggers ist begeistert: „Etwas so Einfaches wie ein T-Shirt kann eine solche Wirkung haben.“

Anekdoten wie diese kennt man von US-Managern. Eher selten hört man sie aus den Mündern deutscher Führungskräfte und erst recht nicht, wenn diese Internetunternehmen leiten. Eggers aber ist beides: Amerikanerin und seit Mittwoch Chefin einer deutschen Web-2.0-Vorzeigefirma: Spreadshirt.

Bei den Leipzigern können Kunden im Internet ihr individuelles T-Shirt entwerfen. Spreadshirt bedruckt und versendet es. Außerdem kann jeder einen Online-Shop eröffnen und seine Motive so vermarkten. Spreadshirt übernimmt Produktion, Versand und Abrechnung.

Im Jahr 2003 hatte der heute 30-jährige Lukasz Gadowski die Firma gegründet. Inzwischen zählt sie zu den größten Arbeitgebern in Leipzig und setzte 2006 elf Millionen Euro um.

Nun übergibt Firmengründer Gadowski den Chefsessel an Eggers. Er bleibt Vorstandsmitglied, arbeitet aber nur noch vier Tage in der Woche für sein Unternehmen: „Ich will mehr Zeit haben, mich um meine Internetinvestments zu kümmern.“

In der Branche werden noch andere Gründe für den Wechsel an der Firmenspitze genannt: Gadowski habe keinen Sinn für Bürokratie, die mit dem Wachstum eines Unternehmens entstehe. Er habe sich zu viel zugemutet. Und auch die internationale Expansion sei trotz der Übernahme des französischen Rivalen La Fraise ins Stocken geraten. Für das laufende Jahr erwartet Spreadshirt ein Umsatzplus von unter zehn Prozent – reichlich wenig in der Welt des Web 2.0.

Zeit für einen neuen Zungenschlag. Und den wird Jana Eggers definitiv liefern. Deutlich professioneller und geordneter als viele in der Szene wirkt die 38-Jährige und doch dynamisch, fröhlich, zupackend. Noch dazu ist sie eine Frau – eine Seltenheit unter Deutschlands Start-up-Chefs. „Ihr seid spitze“ steht auf ihrem dunkelblauen T-Shirt beim ersten offiziellen Termin als CEO, dazu trägt sie nicht Jeans, sondern einen klassischen Rock.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Überhaupt Reisen. Und Essen.

Für das Softwareunternehmen Intuit arbeitete sie zuletzt, war dort verantwortlich für die erfolgreiche Software Quickbase. Auch bei Lycos und dem Reisedienstleister Sabre hat sie mitgemischt. Und gemeinsam mit ihrem Mann Evan gründete sie den Kreuzfahrtreisenvermittler O2 Cruise.

Überhaupt Reisen. Und Essen. Darüber kann man sich lange mit der Informatikerin und Mathematikerin („Ich will immer die Zahlen wissen“) unterhalten. Die Top-Köche von Las Vegas kann sie runterrattern wie andere die Bundesliga-Tabelle. Figurprobleme hat sie trotzdem nicht – dank Triathlon. Auch die Edel-Eismarke Ben & Jerry’s liebt sie. Waterbury, den Ort, an dem die Ben-&-Jerry’s-Fabrik steht, „nennen mein Mann und ich ,Mekka’“.

So originell wie der Markenauftritt des Eisherstellers soll auch der von Spreadshirt werden, sagt sie. „In der Web-2.0-Szene kennt uns jeder. Aber der Rest der Internetnutzer weiß oft nicht, dass möglich ist, was wir können.“ Und natürlich sei auch das Ankurbeln des US-Geschäftes ein Fokus. Hier gibt es Konkurrenten wie Cafepress, „doch deren Produktqualität ist deutlich niedriger“. Dass sich etwas tut bei Spreadshirt, davon kündet auch ein neues Büro in Berlin, direkt am Hackeschen Markt. Zwischen den Zeilen bekennt Gadowski, dass es nun mal leichter sei, fähige Mitarbeiter an den Standort Berlin zu locken als nach Leipzig.

Die Hauptstadt-Gastronomen haben künftig also mit Jana Eggers einen experimentierfreudigen Gast mehr. Eggers selbst kennt die Stadt seit 1998, damals sollte sie für Sabre den deutschen Markt erkunden. Seitdem hat sich nicht nur die Stadt verändert, sondern auch Eggers Dienstkleidung: „Ich muss jetzt jeden Tag T-Shirt tragen.“

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