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27.03.2007 
Nancy McKinstry verkauft Schulbuchsparte von Wolters Kluwer

Eine Frau räumt auf

von Ruth Reichstein

Mit ihrer zierlichen Figur, dem braven Pagenschnitt und dem weichen Lächeln könnte sie gut eine Lehrerin abgeben. Aber wer sie in ihrem Büro im Süden Amsterdams besucht, erlebt eine mächtige Konzernchefin, die Europas größten Fachverlag für Recht, Steuern, Gesundheit und Bildung steuert: Wolters Kluwer mit über 19 000 Mitarbeitern.

Nancy McKinstry setzt sich in der männlich dominierten Verlagswelt durch. Foto: Taco Anema/ Wolters KluwerLupe

Nancy McKinstry setzt sich in der männlich dominierten Verlagswelt durch. Foto: Taco Anema/ Wolters Kluwer

AMSTERDAM. Nancy McKinstry fackelt nicht lange, wenn ein Bereich nicht ihre hohen Renditevorgaben erfüllt. Jetzt muss die Bildungssparte dran glauben. Die Amerikanerin verkauft sie an den Investor Bridgepoint Capital für 774 Millionen Euro – das ist über zweimal so viel wie der derzeitige Jahresumsatz der Sparte. Lehr- und Schulbücher sowie Software bildeten das kleinste und unrentabelste Segment des Verlages. Mit dem Erlös will sie nun Aktien zurückkaufen und weiter expandieren.

Mit dem Verkauf der Bildungssparte schließt McKinstry die Sanierung des Verlages ab. Sie hat Wolters Kluwer zurück in die schwarzen Zahlen geholt. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um neun Prozent auf knapp 3,7 Milliarden Euro.

Vor knapp vier Jahren sah das anders aus. Damals trat McKinstry, die von der Financial Times unter den 25 erfolgreichsten Geschäftsfrauen Europas geführt wird, in Amsterdam als Retterin an. Der einstige Familienverlag, der mittlerweile an der Amsterdamer Börse notiert ist, fuhr Miese ein.

Natürlich senkt sie die Kosten, um 160 Millionen Euro. Aber sie ändert auch die Strategie. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren enorm vergrößert und mit verschiedenen Produkten die Marktführerschaft in mehreren Ländern erreicht“, sagt McKinstry. Und sie investiert zusätzlich in den digitalen Bereich: „Heute machen wir nicht nur medizinische Fachbücher, sondern auch die Software für Ärzte, damit sie die Informationen direkt am Krankenbett abrufen können.“

In den nächsten Jahren will sie das Geschäft des Verlages, der seine Bücher schon in 18 Ländern weltweit verkauft, vor allem in Asien und Osteuropa ausbauen. In China ist er schon Marktführer in mehreren Fachbereichen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: In Deutschland wird Spitzenposition angestrebt

In Deutschland ist Wolters Kluwer der zweitgrößte Fachverlag im Bereich Recht und Steuern. Außerdem gehören so renommierte Verlage wie Luchterhand mittlerweile den Niederländern. „In einigen Jahren wollen wir in Deutschland die Nummer eins sein. Wir suchen weiterhin nach Übernahmekandidaten“, sagt McKinstry.

Aber auch Wolters Kluwer wird gerne als Übernahme- oder Fusionskandidat gehandelt – von Reed Elsevier oder Thomson Corporation. Das ist für sie aber keine Thema. „Wir planen nichts, was die Unternehmensstrukturen grundlegend ändern würde“, formuliert McKinstry vorsichtig und dreht an ihrem vergoldeten Füllfederhalter.

McKinstry kennt Wolters Kluwer schon lange. Die Frau, die an der Columbia University in New York Finanzwesen und Marketing studierte, arbeitet zunächst bei der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton und kommt schon in den neunziger Jahren zum niederländischen Verlagshaus. Sie leitet die New Yorker Niederlassung und dann das Nordamerika-Geschäft, bevor sie 2003 den Vorstandsvorsitz übernimmt.

„Sie ist offen und freundlich. Sie interessiert sich auch für Persönliches“, sagt eine ihrer engen Mitarbeiterinnen, die sie wie alle im Haus nur „Nancy“ nennen. Sie ist die erste nicht-holländische Chefin beim mehr als hundert Jahre alten Verlag. Die Mitarbeiter nehmen es ihr offenbar nicht übel, dass sie trotz mehrerer Kurse noch kein Holländisch spricht.

Außerdem ist die Chefin ja viel unterwegs. Neuerdings reist sie oft nach Indien. Bereits vor einigen Jahren hat Wolters Kluwer – dem Branchentrend folgend – sein IT-Management dorthin verlagert. Nun sollen andere Bereiche wie die Vorbereitung der Druckvorlagen folgen.

„Dort ist es billiger. Und die Qualität ist hochwertig“, sagt Nancy McKinstry trocken.

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