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08.01.2009 
Freunde und Mitarbeiter sollten bedacht werden

Ermittler finden Madoff-Schecks über Millionensummen

Im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte haben Ermittler Schecks in Millionenhöhe im Schreibtisch des Finanzbetrügers und ehemaligen Wall-Street-Brokers Bernard Madoff gefunden. Mit den Schecks habe der 70-Jährige unmittelbar vor seiner Festnahme Teile des in seiner Firma noch verblieben Geldes an Verwandte, Freunde und Mitarbeiter verteilen wollen.

Bernard Madoff verlässt am Montag eine gerichtliche Anhörung in New York. Foto: apLupe

Bernard Madoff verlässt am Montag eine gerichtliche Anhörung in New York. Foto: ap

HB NEW YORK. Die rund 100 bereits unterzeichnete Schecks hätten einen Wert von mehr als 173 Mio. Dollar, gab die Staatsanwaltschaft laut US-Medien am Donnerstag in New York bekannt. Die Entscheidung über Untersuchungshaft für den unter Hausarrest stehenden Geschäftsmann wurde erneut vertagt.

Auch britische Behörden haben inzwischen Untersuchungen gestartet. Die Ermittler konzentrieren sich nach eigenen Angaben auf Madoffs Geschäfte und seine Opfer in Großbritannien. Die dortige Großbank HSBC etwa beziffert die Einbußen auf bis zu eine Milliarde Dollar (730 Mio Euro), die Royal Bank of Scotland (RBS) vermutet einen Schaden von 400 Mio. Pfund (440 Mio Euro).

Madoff hatte Mitte Dezember seinen Söhnen ein jahrzehntelanges gigantisches "Schneeball-System" in einem Volumen von rund 50 Mrd. Dollar offenbart. Ihnen sagte er den Angaben zufolge damals auch, dass er die in seinem Unternehmen übrigen 200 bis 300 Mio. Dollar an mehrere ausgewählte Personen verteilen wolle.

Derzeit steht der jahrelang angesehene Geschäftsmann gegen eine millionenschwere Kaution in seinem New York Nobel-Appartement unter elektronischer Überwachung. Die Staatsanwaltschaft fordert seit längerem Untersuchungshaft. Darüber wolle der zuständige Richter nun an diesem Freitag oder Anfang nächster Woche entscheiden, berichteten das "Wall Street Journal" und andere Medien übereinstimmend.

Unterdessen entdecken Ermittler immer weitere, allerdings kleinere „Schneeball-Systeme“. Ein Investment-Manager im Raum Philadelphia (Pennsylvania) soll nach Angaben der US-Börsenpolizei SEC vom Donnerstag rund 80 Anleger seit 1995 mit hohen Renditeversprechen um 50 Mio. Dollar (37 Mio Euro) gebracht haben.

Viele Anleger in den USA sind Medienberichten zufolge wegen der Madoff-Affäre alarmiert. Sie fragten nun kritischer bei den Managern nach, denen sie ihr Geld anvertrauten, und gäben auch den Behörden entsprechende Hinweise. Im Fall Madoff hatte die US-Börsenpolizei allerdings trotz mehrerer Tipps und Warnungen den Riesenschwindel nicht aufgedeckt. Sie räumte bereits schwere Versäumnisse ein.

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