0 Bewertungen
31.01.2008 
Axel Herberg und Gerresheimer

Familienunternehmen, Heuschrecken-Company, Börsendebütant

von Christop Hardt

Axel Herberg formt aus dem alten Flaschenkonzern Gerresheimer einen Spezialisten für die pharmazeutische und kosmetische Industrie. In wenigen Wochen wird der Vorstandschef erstmals seit dem Börsengang im Juli 2007 die Jahresbilanz der jungen AG präsentieren. Das ist eine Herausforderung der besonderen Art.

Spritzen des Glasherstellers Gerresheimer, fotografiert in Düsseldorf. Foto: dpaLupe

Spritzen des Glasherstellers Gerresheimer, fotografiert in Düsseldorf. Foto: dpa

DÜSSELDORF. "Wir arbeiten in einer Nische", sagt Axel Herberg. "Aber in unserer Nische sind wir ein Riese." Das klingt nach Hidden Champion und ist auch deshalb überhaupt nicht verkehrt, weil der smarte blonde Mann ein Weltunternehmen mit 40 Leuten aus einer überschaubaren Büroetage am Rande der Düsseldorfer Altstadt steuert. Die Firma heißt Gerresheimer und war einmal Inbegriff für Flaschen aus Glas: Bier, Wein et cetera. Heute ist Gerresheimer einer der führenden Anbieter von Spezialgläsern und Verpackungen für pharmazeutische und kosmetische Industrie.

In wenigen Wochen wird der Vorstandschef erstmals seit dem Börsengang im Juli 2007 die Jahresbilanz der jungen AG präsentieren. Das ist eine Herausforderung der besonderen Art, denn Herberg strebt nach dem Börsengang nicht nur erstmals schwarze Zahlen an, er will auch den Um- und Ausbau des Unternehmens fortsetzen: "Wir haben Gerresheimer in den vergangenen Monaten mit 14 Transaktionen weitreichend umgebaut und halten an der entschlossenen Portfoliopolitik fest." "Portfoliopolitik", das ist schon ein großes Wort.

Es war einer der Lieblingsbegriffe von Klaus Kleinfeld. Der hat bekanntlich Siemens gesteuert und ist jetzt bei Alcoa. Herberg, Chef von gut 10 000 Mitarbeitern, redet mindestens ebenso unbefangen von "M and A" als der "Kür". So hat er auch die größte Akquisition von Gerresheimer, die Übernahme des Regensburger Kunststoffspezialisten Wilden, für geschätzte gut 300 Millionen Euro durchgezogen.

Die Börse hat den Umbau des Traditionskonzerns zum Spezialverpackungs-Hersteller zur Kenntnis genommen. Sie hat ihn nicht eben honoriert. Gleichwohl empfehlen viele Analysten die Aktie zum Kauf. Tatsächlich hat sich die Düsseldorfer AG, die im SDax gelistet ist, in den vergangenen turbulenten Wochen achtbar aus der Affäre gezogen.

Der Vorstandschef jedenfalls bleibt gelassen, fast cool. Das hat nicht nur mit dem Erfolg zu tun, er hat mit Gerresheimer schon ganz andere Dinge erlebt. Seit 1991 begleitet er in führenden Positionen die Geschicke, zunächst als Chefcontroller, dann als Chef einer amerikanischen Tochter, dann als Konzernvorstand, seit 2000 als Chief Executive Officer (CEO). Er hat großen Anteil an der Neuerfindung der Gerresheimer AG.

Es sind auch biografische Gründe, die dafür sorgen, dass Herberg, der rein äußerlich wie der Idealtypus der neuen deutschen Managementwelle erscheint, den Laden bis heute bei aller Veränderung zusammengehalten hat. Denn so wie er ist, verkörpert der Sohn von Stahlunternehmern aus dem sauerländischen Altena für Gerresheimer ein großes Stück Kontinuität. Er ist Mitte 20, als der Vater stirbt und er in die Firma eintritt. Doch es hält ihn nicht im Sauerland, er wechselt zu Krupp, dann zu McKinsey.

Nebenher absolviert er ein BWL-Studium - gute Zutaten für eine Karriere. So personifiziert Herberg den harten Strategiewechsel eines Traditionskonzerns, wohl auch deshalb ist er bei den Geldgebern so beliebt. Die Mitarbeiter mussten manchen Scherbenhaufen ertragen. "Wir haben zwischen 1999 und 2004 bereits die Hälfte des Unternehmensumsatzes aussortiert", sagt er. "Unser Umsatzvolumen aber insgesamt seit 2001 mehr als verdoppelt."

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Nur wenig Privates

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Bitterer Beigeschmack  Artikel in Merkliste

04.09.2008 von Thomas Wiede

Das Schlimmste scheint überstanden zu sein: BP hat sich mit seinen russischen Partner darauf verständigt, wie es beim umkämpften Ölkonzern TNK-BP weiter gehen soll. Als Sieger dürfen sich bei dem Kompromiss, den die beiden zerstrittenen Partnern bekanntgegeben haben, die Russen fühlen. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

BP als Beispiel  Artikel in Merkliste

04.09.2008 von Thomas Wiede

So läuft das in Russland: Die Oligarchen spannen Gerichte und Behörden ein, der Kreml schaut zu und schweigt. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Werbesprüche-Quiz: Auf Kundenfang mit dem Wir-Gefühl

Los geht's!Seit 1990 ist „Wir“ das wichtigste Wort in der Werbesprache. Wissen Sie, wer noch mit dem Sinn für Gemeinschaft auf Kundenfang geht?
Testen Sie Ihr Wissen!
Anzeige