Viele in der Medienszene schauen mit einer Mischung aus Respekt und branchenüblichem Zynismus auf Meedia. Schon immer kündigte Manthey mehr Projekte an, als er realisierte, sogar eine Zeitung wollte er einst machen. Bei anderen mischt sich Angst in den Gefühlscocktail. Denn der ehemalige Herr der Milchstraße hat sich nicht nur Freunde gemacht, erst recht nicht beim Ex-Partner Burda. Meedia aber soll keine offenen Rechnungen begleichen, das betont der 54-Jährige immer wieder im Gespräch. Medien faszinierten ihn eben. Und vielleicht juckt es ihn immer noch, dass sein in den 80ern gegründetes Branchenblatt "Neue Medien" zwar viel Lob einheimste, wirtschaftlich aber erfolglos war.
Und wie ist es nun, dieses Meedia? Fahren wir zur Klärung dieser Frage in eine weniger edle Nachbarschaft Hamburgs. Das Schanzenviertel ist eine Gegend, in der jeder ein wenig abgerissen wirkt. Die einen, weil sie es sind, die anderen, weil sie sich für viel Geld den Anschein verleihen - "die Schanze" ist hip. Die Zerrissenheit des Viertels demonstriert die alte Pianofortefabrik in der Straße mit dem schrägen Namen "Schulterblatt". Vorne ist es schäbig - hinten chic. Einst residierte hier die Multimediaagentur Kabel New Media, das Reich von Peter Kabel - auch so einer, der umjubelt und dann von der stürzenden New Economy nach unten gerissen wurde.
Im ersten Stock der alten Werkshalle steht eine Tür offen, klingeln nicht nötig. Dahinter tippen zwei Handvoll Menschen unter dicken Balken in einem Großraumbüro - Start-up-Atmosphäre. Bis zu 15 Redakteure sollen hier einmal arbeiten.
