Die Chefs über das Tagesgeschäft heißen Martin Fischer und Georg Altrogge. Beide sind alte Mitstreiter Mantheys: Der sonnig-joviale Fischer war seine rechte Hand in der Milchstraße - nun kümmert er sich ums Anzeigengeschäft; der stille Altrogge leitete einst die Milchstraßen-Zeitschrift "Tomorrow" - er zeichnet als Chefredakteur. Beide sind auch Gesellschafter bei Meedia: Fischer hält 35 Prozent, Altrogge 14, Manthey 51. Vielleicht muss man so sein, wenn man in der Nähe eines menschgewordenen Brennstabs wie Manthey überleben will: Entweder überbordend fröhlich - oder stoisch zurückhaltend. "Es ist besser, ihn zu kennen, wenn man mit ihm arbeitet", formuliert es Altrogge.
Beide berichten nur Positives vor dem Meedia-Start. Das Anzeigengeschäft laufe bestens, die Redaktion sei bereit. Sogar die Technik stehe - endlich. Sie bereitete reichlich Probleme: Eigentlich hätte Meedia vor einem Jahr online gehen sollen.
Die Optik der neuen Seite ist kühl und zurückhaltend. Im Gegensatz zur Konkurrenz bietet sie erheblich mehr Videoinhalte - fremde Filme allerdings. An den klug gemachten, statistischen Funktionen werden sich zahlenliebende Verlagsmanager ergötzen: Auflagen und Reichweiten lassen sich so leicht arrangieren, wie nirgends sonst im Web.
Auch kümmert sich keiner der Rivalen derart intensiv um ausländische Medienmärkte: "Verlage bekommen ihre Strategien fast alle von den gleichen Beratungen. Das hat zu weltweit gleichen Sparritualen geführt", sagt Altrogge. Somit seien Nachrichten aus der "Los Angeles Times" so wichtig wie jene aus dem Verlag der "Berliner Zeitung". Exklusivmeldungen würden eine eher untergeordnete Rolle spielen: "Exklusivität versandet zu schnell", meint der Chefredakteur.
Kann Meedia gelingen? Eine Chance am Markt hat der Dienst, glaubt ein ehemaliger "Bild"-Chefredakteur: "Wer die schlauesten Inhalte hat, wird am Ende die Nase vorn haben." Und die Verantwortlichen werfen gerne die Vorbilder aus den USA ein: die Polit-Plattform Huffington Post oder den Web-Dienst Techcrunch. Auch hier haben die Gründer Angebote entworfen, die sie selbst am Markt vermisst haben - so wie Manthey es sein Leben lang getan hat.
Ja, Amerika. Am Ausgang des Redaktionsgroßraums hängt ein Ölbild des New Yorker Times Square. Das Land der Träume gerät im Reiche Mantheys eben nie aus dem Blickfeld.
