0 Bewertungen
18.02.2008 
Neuer Post-Chef

Frank Appel: Der Sparkommissar ohne Allüren

von Axel Granzow

Er wirkt unsicher. Manchmal scheint Frank Appel, seit Montagabend neuer Post-Chef, nicht so genau zu wissen, wohin mit seinen Händen, während er im Stehen gelegentlich mit geschlossenen Augen einen Vortrag routiniert abspult. Doch der Schein trügt. Der Mann weiß, was und wohin er will.

Frank Appel ist als Nachfolger für Post-Chef Zumwinkel im Gespräch. Foto: dpaLupe

Frank Appel ist als Nachfolger für Post-Chef Zumwinkel im Gespräch. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Der 46-jährige Logistikvorstand der Deutschen Post läuft sich seit geraumer Zeit warm, um die Spitze des weltgrößten Logistikunternehmens zu übernehmen. Appel absolviert seine Übungsrunden, heißt es dazu im Post-Tower.

Am vergangenen Dienstag präsentierte Appel erstmals sein Zukunftsmodell "Deutsche Post World Net". Ein Workshop sollte es sein, ganz offen und locker. Wie nebenbei erklärte der promovierte Neurobiologe die bereits laufende Service-Offensive namens "First Choice", die dem Global Player in den kommenden Jahren zu mehr Wachstum verhelfen soll und den Konzern mehr oder weniger umkrempelt.

Sätze wie: "Wir wollen schneller wachsen als der Markt" und "Wir wollen die erste Wahl für unsere Kunden sein" gehen Appel schon ganz leicht über die Lippen. Dass das Programm wohl viel Unruhe in der Belegschaft erzeugt und Rationalisierungen auch zum Verlust von vielen Arbeitsplätzen führen dürften - der ehemalige McKinsey -Mann versucht, die Einwände zu überspielen. "Wir wollen die Mitarbeiter mitnehmen", sagt er. Man müsse Einsicht in die Notwendigkeit von Effizienzsteigerungen und höherer Profitabilität schaffen. Was hängenbleibt: viel Theorie, wenig Konkretes.

Das muss sich nun schneller ändern, als es der Post lieb ist. Denn Appel muss nach dem Rückzug von Klaus Zumwinkel vom Vorstandsvorsitz wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung das Amt früher übernehmen als geplant. Der Zwei-Meter-Mann tritt allerdings in die (recht großen) Fußstapfen seines Mentors Zumwinkel. Nun muss Appel zeigen, dass er für die Praxis taugt. Das gilt vor allem für die Sanierung des defizitären US-Expressdienstes und den Umbau des Briefgeschäfts - immer noch die dominierende Ertragssäule des Logistikkonzerns.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum er den Ruf eines "Sparkommissars" hat

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Ein herber Verlust für die Telekom  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:33 Uhr von Sandra Louven

Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick verlässt den Konzern. Das bedeutet vor allem eines: ein weiteres Problem für Vorstandschef René Obermann. Eick war der Fels in der Brandung. Er hatte jahrelange Erfahrung mit den Eigenheiten des Bonner Konzerns. Und die sind im Fall der Telekom nicht zu unterschätzen. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Herber Verlust  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:58 Uhr von Sandra Louven

Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick war der ruhende Pol im Vorstand der Telekom, er hatte die größte Erfahrung. Daher ist er kaum gleichwertig zu ersetzen. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige