Dass sie selbst nun schon 13 Jahre lang HSBC die Treue hält, erklärt Piraye Antika auch mit dem Charakter der Bank: „HSBC ist einerseits global aufgestellt, andererseits pflegen wir eine sehr familiäre Atmosphäre. Das ist Teil unserer Unternehmenskultur. Deshalb habe ich mich bei HSBC auch niemals ausgegrenzt gefühlt, etwa weil ich eine Türkin, eine Muslimin oder eine Frau bin.“ 55 Prozent der Beschäftigten bei HSBC Turkey sind Frauen. Vor allem in den Führungsebenen begegnet man in der türkischen Finanzwirtschaft häufiger Frauen als in den meisten westlichen Industrieländern. „Bei uns ist es leichter, als Frau Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen“, erklärt die zweifache Mutter. „Die Familienverbände sind noch intakt, Großeltern, Geschwister und Tanten helfen aus bei der Versorgung der Kinder, außerdem sind Haushaltshilfen wegen der niedrigeren Löhne erschwinglich.“ Das erkläre, warum der Anteil der Frauen an den türkischen Universitäten höher ist als in vielen entwickelten Ländern. Piraye Antika führt das aber auch darauf zurück, dass die Frauenrechte in der Türkei schon in den 1920er-Jahren verbrieft wurden, früher als in manchen westeuropäischen Ländern. So bekamen die Türkinnen noch vor den Französinnen und den Italienerinnen das Wahlrecht.
Was die Frauenrechte angeht, ist die Türkei allerdings ein Land krasser Gegensätze. In Ostanatolien gibt es Landstriche, wo bis zu 40 Prozent der Mädchen keine Schule besuchen, wo Zwangsheiraten, die Vielehe, Gewalt gegen Frauen und Ehrenmorde auch heute noch als selbstverständlich gelten. Das ist die eine, die rückständige Türkei. Aber es gibt auch die moderne Türkei, wie sie Piraye Antika repräsentiert. 36 Prozent der türkischen Hochschullehrer, 31 Prozent der Architekten und sogar mehr als 50 Prozent der Ärzte sind weiblich. Frauen stehen an der Spitze der beiden höchsten Gerichte des Landes. Auch in den Chefetagen der Finanz- und Wirtschaftsmetropole Istanbul ist Piraye Antika keineswegs eine Ausnahmeerscheinung, hier begegnet man allenthalben weiblichen Führungskräften. So wird die zweitgrößte Unternehmensgruppe des Landes, die Sabanci Holding, von einer Frau geführt.
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