Und der Konzern schaut sich bereits nach einem Nachfolger für Ernsts Stellvertreter Bernd Boecken um, der im März 2008 in den Ruhestand geht. Ein geeigneter Kandidat könnte in Ruhe als Allans Nachfolger aufgebaut werden. Mindestens ein Bewerber soll schon auf diese Variante angesprochen worden sein. Möglicherweise redet der designierte neue Post-Chef Appel bei der Auslese ein Wörtchen mit.
Bei der Post ist man dagegen bemüht, Allan gegenüber der Öffentlichkeit sogar als Nachfolger Zumwinkels ins Gespräch zu bringen. Dann hätte Appel einen Konkurrenten im Haus. Doch gerade er hat Allan geholt, da er die Übernahme der Exel, eine der größten der Postgeschichte, eingefädelt hatte. Über Allans Vertragsverlängerung sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, heißt es bei der Post. Kein Wunder: Wie würde ein Übergangskandidat auf die Anleger wirken?
Einen radikalen Schnitt markiert der Wechsel jedenfalls nicht – sonst wäre ein externer CFO verpflichtet worden. Es ging wohl eher um eine schnelle, vorläufige Lösung. Allan will die Struktur des Konzerns nicht antasten. Er steht für Zumwinkels Kurs einer „Full-Service-Strategie“. Eine Abspaltung von Briefgeschäft und Postbank, wie es die Investoren anregen, ist kein Thema. Auch am defizitären US-Expressgeschäft wird wohl festgehalten. Allan will auf „größere Effizienz, höhere Wertschöpfung, mehr finanzielle Transparenz“ setzen. Post-Sprecher Manfred Harnischfeger sagte aber, dass das neue Programm auch unternehmerische Maßnahmen umfasse, Kostensenkungen und den Verkauf unrentabler Geschäfte. Die Erwartungen des Finanzmarkts sind hoch – aber möglicherweise zu hoch.
An der Börse kam der Personalwechsel zumindest kurzfristig gut an: Die Post-Aktie reagierte mit einem Kursanstieg. Allan habe einen exzellenten Ruf, erklärt Per-Ola Hellgren, Analyst von der Landesbank Baden-Württemberg. Er sollte vor allem von angelsächsischen Investoren gut aufgenommen werden. Andrew Beh von Bear Stearns hofft nun auf sonnigere Zeiten für die Post-Aktie.
Ernsts Abgang ist ein weiterer Schritt, wenn auch wohl ein so nicht geplanter, auf dem Weg zum Generationswechsel in der Post-Führung. Jürgen Gerdes, 42, wurde Anfang Juni bereits Nachfolger von Post-Briefvorstand Hans-Dieter Petram, 64. Ebenfalls zu den „Youngstern“ zählt mit seinen 43 Jahren Wolfgang Klein, der die Nachfolge von Wulf von Schimmelmann als Chef der Postbank angetreten hat. 2008 folgt die nächste, die ganz große Runde.
