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07.08.2008 
Oberaufseher der amerikanischen Terminbörsen

Geduldiger Kämpfer für freie Märkte

von Udo Rettberg

Zuletzt musste sich Walter Lukken wie ein Lehrer vorkommen: Gutmütig, geduldig und mit pädagogischen Geschick übte sich der Oberaufseher der amerikanischen Terminbörsen als Verfechter freier Märkte. Angriffe auf ihn oder Amt nimmt er gelassen.

Walter Lukken sieht keine Anzeichen für Preistreiberei an den Rohstoffmärkten. Foto: apLupe

Walter Lukken sieht keine Anzeichen für Preistreiberei an den Rohstoffmärkten. Foto: ap

FRANKFURT. Geduldig erklärte Walter Lukken Politikern und der durch hohe Energie- und Lebensmittelpreise aufgeschreckten Öffentlichkeit den Rohstoffmarkt und seinen Mechanismus.

Nehmerqualitäten braucht der 41-jährige Oberaufseher der amerikanischen Terminbörsen (CFTC) immer noch, auch wenn der Ölpreis von 147 Dollar inzwischen wieder auf 120 Dollar je Barrel gefallen ist. Lukken hat nicht gezählt, wie oft er in den vergangenen Monaten Fragen zum Thema Spekulanten und Rohstoffpreise beantwortet hat. Abgeordnete des Kongresses in Washington hatten ihm zuletzt vorgerechnet, dass der Anteil der Investmentbranche am Ölhandel von 37 Prozent im Januar 2000 auf zuletzt 71 gestiegen war und sich die Energie-Spekulation zu einer "Wachstumsbranche" entwickelt habe. Der demokratische Senator Joseph Liebermann, einer der schärfsten Kritiker der CFTC, warf ihm gar vor, er tue als Aufseher zu wenig gegen die "exzessive Spekulation". So ganz stimmt das nicht, hat doch Lukkens Behörde erst vor kurzem einen holländischen Fonds wegen Marktmanipulation verklagt.

Lukken selber kontert Angriffe auf ihn und sein Amt stets gelassen. Wütend wird der Rotschopf selten, er schüttele dann eher verständnislos den Kopf, sagen Mitarbeiter. Sie schätzen vor allem den Teamgeist des passionierten Basketball-Fans. Geschickt umdribbelte der in den letzten Wochen die Attacken: Der Anstieg der Rohstoff-Swaps hätte vor allem mit dem Risikomanagement großer Fluglinien zu tun, die sich gegen gestiegene Kerosin-Preise absicherten. Und die meisten dieser Deals werden im Freiverkehr ausgehandelt, Lukken aber kann nur die organisierten Börsen kontrollieren. Und dort, so sagt er, gibt es keine Anzeichen, dass Spekulanten die Ölpreise auf ein Rekordniveau getrieben haben. Im Gegenteil: Die spekulativen Öl-Positionen an der Börse fielen auf das niedrigste Niveau seit mehr als einem Jahr. Das hat er immer wieder geprüft in den vergangenen Wochen und Monaten.

Wenn es um den Schutz der Märkte geht, wird der geduldige Lukken deutlich: Es könne nicht sein, dass eine Terminbörse immer nur dann als sinnvoll gesehen werde, wenn sich die Preise dort gehandelter Finanzinstrumente und Rohstoffe im Sinne der Verarbeiter oder der Verbraucher entwickelten und diese Märkte als mysteriös gelten, wenn Preise steigen, es also an das Portemonnaie des Verbrauchers geht.

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