0 Bewertungen
06.08.2007 
Patrick Cescau

Gegen die Abwärtsspirale

von Dirk Heilmann

Patrick Cescau greift radikal durch, um dem Konsumgüterkonzern Unilever zu neuer Schlagkraft zu verhelfen – und hat es schwer, alle zu überzeugen.

Unilever ist einer der größen Konsumgüterkonzerne der Welt. Foto: dpaLupe

Unilever ist einer der größen Konsumgüterkonzerne der Welt. Foto: dpa

LONDON. Ein Mann für große Reden ist Patrick Cescau nicht. Auf der Halbjahres-Präsentation am vergangenen Donnerstag hält er sich am Rednerpult fest, blickt alle paar Sekunden auf sein Blatt und spricht gleichförmig. Eher Finanzmann als Verkäufer ist der Chef von Unilever, einem der großen Konsumgüterkonzerne der Welt, das spürt man.

Doch man spürt auch eine neue Entschlossenheit. Wirkte der Franzose mit dem gut frisierten grauen Haar bei der Jahrespressekonferenz im Februar fast schon mutlos und entschuldigend, zeigt er jetzt eine neue Entschlossenheit. Bei der Fragerunde geht er auf und ab und gestikuliert lebhaft. Was er den Analysten und Journalisten erläutert, ist ein mutiger Umstrukturierungsplan, um die Renditelücke zu den Rivalen Nestlé und Procter & Gamble zu schließen.

Und es gelingt ihm endlich einmal, die Börse zufriedenzustellen. Die Unilever-Aktie springt am Donnerstag in die Höhe. Endlich sei die Botschaft angekommen, frohlocken die Analysten. Kosten runter, Rendite rauf – so was hören sie gerne.

Auf die aufwendigen Sanierungsprogramme „Path to Growth“ und „One Unilever“ setzt Patrick Cescau, der seit zwei Jahren als Erster allein über das britisch-niederländische Konglomerat herrschen darf, noch ein neues, ehrgeiziges Programm drauf. Mehr Zentralisierung und Kostenkontrolle heißt die Devise: 20 000 Arbeitsplätze will er streichen, bis zu 50 Fabriken schließen, Landesgesellschaften zusammenlegen und das US-Waschmittelgeschäft verkaufen.

Doch nicht überall im Konzern macht sich Aufbruchstimmung breit. Seit fast acht Jahren strukturiert Unilever schon um, und viele Beschäftigte können das Wort Umstrukturierung nicht mehr hören. „Wir befinden uns in einer Abwärtsspirale“, sagt Günter Baltes, Chef des europäischen Gesamtbetriebsrates. Statt erneut Stellen abzubauen, Fabriken zu schließen und Sparten zu verkaufen, müsse Cescau Ruhe reinbringen und mit Zukäufen in die Offensive gehen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Überzeugungsarbeit nach innen und außen

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Ein herber Verlust für die Telekom  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:33 Uhr von Sandra Louven

Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick verlässt den Konzern. Das bedeutet vor allem eines: ein weiteres Problem für Vorstandschef René Obermann. Eick war der Fels in der Brandung. Er hatte jahrelange Erfahrung mit den Eigenheiten des Bonner Konzerns. Und die sind im Fall der Telekom nicht zu unterschätzen. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Herber Verlust  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:58 Uhr von Sandra Louven

Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick war der ruhende Pol im Vorstand der Telekom, er hatte die größte Erfahrung. Daher ist er kaum gleichwertig zu ersetzen. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige