Denn schon direkt nach dem Diplom an der Wirtschaftshochschule HEC, an der er Dominique Strauss-Kahn kennen lernte, fing Proglio bei dem Wasserversorger an, der damals noch Compagnie générale des Eaux hieß. Der damalige Chef Guy Dejounay lernte den jungen Manager schnell schätzen, da dieser stets bereit war, vor Ort mit einem Bürgermeister über schwierige Verlängerungen eines Vertrages für die Wasserversorgung zu verhandeln. „,Ich kümmere mich drum.’ Das war so ziemlich das Einzige, was er jedes Mal zum Chef sagte“, erinnert sich ein Kollege aus der Zeit. Das Geschäft mit der Wasserversorgung von Kommunen ist hoch politisch. Dank seiner langen Erfahrung vor Ort hat Proglio ein wohl einzigartiges Netzwerk in die Politik bis in den letzten Winkel Frankreichs aufbauen können – bis zur Spitze, bis zu Jacques Chirac.
Als Proglio im Dezember 2002 vorschlug, dass der staatliche Stromriese sich an Veolia beteiligen solle, um das Kapital zu stabilisieren, winkte das Wirtschaftsministerium zunächst ab. Mit Chiracs Schützenhilfe überwand Proglio das Veto und kaufte für 400 Millionen Euro rund vier Prozent der Veolia-Aktien.
Zuvor konnte Proglio erneut mit Hilfe des Elysée-Palastes verhindern, dass der damalige Konzern-Chef Jean-Marie Messer (der aus der alten Compagnie des Eaux den Mischkonzern Vivendi schmiedete) das alte Stammgeschäft Vivendi Environnement in Teile zerschlägt. Damals hatten Suez und Vinci jeweils Interesse an Teilen bekundet.
Nun tritt Chirac nächste Woche von der Politbühne ab. Bei seinem Nachfolger Nicolas Sarkozy zählt Proglio dagegen nicht zum engsten Dunstkreis.
Die Zeche für Messiers wilde Zukaufspolitik musste zum großen Teil Proglio zahlen, denn Vivendi gliederte sein Wasser- und Umweltgeschäft 1999 mit wenig Eigenkapital, aber vielen Milliarden Schulden aus. Mit Verkäufen wie dem der Tochter US Filter und einer Politik des Abschlusses von Versorgungsverträgen, die weniger Kapital kosten, hat Proglio die Sanierung geschafft. In zehn Jahren will er Veolias Größe nur durch organisches Wachstum verdoppelt haben. Und vielleicht klappt es mit dem Kauf der Suez-Wassersparte doch noch. Denn an ein Gelingen der Fusion mit Gaz de France glauben nur noch wenige. Mit einer Suez-Teilübernahme würde der zurückhaltende Veolia-Chef doch noch zum Medienhelden.
