0 Bewertungen
27.02.2006 
Schweizer Bahnchef geht

Gesucht: Weibels Klon

von Oliver Stock

Der Schweizer Bahnchef tritt ab. Jetzt wollen die Eidgenossen einen, der es genauso gut macht und zudem auch noch die Güterverkehrssparte in die schwarzen Zahlen bringt.

SSB-Chef Benedikt Weidel. Foto: apLupe

SSB-Chef Benedikt Weidel. Foto: ap

ZÜRICH. Sein Zug kommt etwa fünf Minuten früher an als geplant – genug Zeit, um vor dem Termin noch kurz in der Bahnhofsbuchhandlung vorbeizuschauen. Dort spricht ihn eine Dame an, die ein nettes Kompliment loswerden will: „Ich muss Ihnen sagen, wie schön das Bahnfahren ist.“

Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn kann von solchen Geschichten nur träumen, die sein Schweizer Kollege Benedikt Weibel vor kurzem erzählte. In der Buchhandlung am Zürcher Hauptbahnhof ist er auf seine gute Arbeit angesprochen worden. Weibel, 59 Jahre alt, weißgraues Haar, Schnauzbart, genauso viele Falten vom Lachen wie vom Denken, hat mit dieser Anekdote auf die Frage geantwortet: Wie lange er denn noch im Amt bleiben werde? Der Mann, dessen Antworten sonst immer geradeheraus und sehr direkt kommen, griff dieses Mal zu dieser Geschichte. Das war Anfang Februar.

Gut drei Wochen später hat er zur gewohnten Form zurückgefunden: Unumwunden kündigte der Chef der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) – mit 14 Jahren Amtszeit dienstältester oberster Lokführer in Europa und Aufsichtsrat bei der französischen SNCF – seinen Abgang an. Seine Begründung hatte nicht etwa mit den starken Verlusten im Güterverkehr zu tun, sondern war eher sportlich: Er wolle im Vollbesitz seiner Kräfte zurücktreten. „Deshalb gehe ich lieber ein bisschen zu früh als zu spät – auch wenn ich mir gesundheitlich keine Sorgen machen muss.“ Seine Zuhörer atmeten erleichtert auf.

Sie hatten sich wirklich Sorgen gemacht. Die Eidgenossen mögen ihren Bahnchef genauso, wie sie ihre Eisenbahn lieben. Im europäischen Vergleich liegen sie, was die Zahl der gefahrenen Bahnkilometer angeht, an der Spitze. Und wie das in einer echten Partnerschaft so ist, wird die Zuneigung erwidert: Das Unternehmen tut einiges, um sich die Liebe der Eidgenossen zu verdienen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Merkwürdigkeiten bei der Schweizer Bahn.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Ein herber Verlust für die Telekom  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:33 Uhr von Sandra Louven

Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick verlässt den Konzern. Das bedeutet vor allem eines: ein weiteres Problem für Vorstandschef René Obermann. Eick war der Fels in der Brandung. Er hatte jahrelange Erfahrung mit den Eigenheiten des Bonner Konzerns. Und die sind im Fall der Telekom nicht zu unterschätzen. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Herber Verlust  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:58 Uhr von Sandra Louven

Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick war der ruhende Pol im Vorstand der Telekom, er hatte die größte Erfahrung. Daher ist er kaum gleichwertig zu ersetzen. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige