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10.10.2007 
Nachfolge

Getreu der Voith-Hierarchie

von Martin Buchenau

Fragen zur Strategie will er erst nach seiner Amtsübernahme beantworten: Hubert Lienhard wird neuer Vorstands-Chef bei dem erfolgreichen Maschinenbauer Voith. Nur seine erste und vielleicht wichtigste Mission ist bereits bekannt: Neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Hubert Lienhard rückt auf den Chefsessel auf. Foto: apLupe

Hubert Lienhard rückt auf den Chefsessel auf. Foto: ap

HEIDENHEIM. Ungeduldig spielt er mit seinem Kugelschreiber, dreht ihn in der Hand. Danach streift er fein säuberlich mit den Fingern über den Stapel mit den Charts, die gerade Finanzchef Hermann Jung bei der Pressekonferenz vorträgt. Hubert Lienhard, bislang für das Gemeinschaftsunternehmen für Wasserkraftwerke Voith Siemens Hydro zuständig, ist noch nicht dran – noch nicht.

Doch ein wenig ist dem sonst so ausgeglichen und ruhig wirkenden Manager das Besondere des Tages anzumerken. Der gelernte Chemiker mit den angegrauten Schläfen sitzt neben dem mächtigsten Mann bei Voith – Michael Rogowski. Während Voith-Chef Hermut Kormann noch Fragen zur künftigen Strategie beantwortet, zwinkert der Aufsichtsratschef Lienhard zu, wechselt sogar ein paar Worte, lächelt freundlich. Gleich wird sich Rogowski erheben und den sportlichen Manager auf den Höhepunkt seiner Karriere heben – der 57-Jährige wird neuer Vorstandschef.

Intern galt er schon als einer der Anwärter. Nach außen war dagegen Finanzchef Hermann Jung häufiger im Vordergrund. „Wir verstehen uns als Kollegium, und da muss grundsätzlich jedes Mitglied in der Lage sein, die Führung zu übernehmen“, sagt Kormann, der am 1. April des kommenden Jahres mit Erreichen seines 66. Geburtstags den Chefposten räumen wird. So etwas wie bei Daimler, dass Kandidaten, die das Rennen nicht gemacht haben, das Unternehmen verlassen, werde es in Heidenheim nicht geben. „Das ist nicht unsere Kultur“, betonte Kormann.

Auch Lienhard hat keine Probleme, sich an diesem Tag in die Voith-Hierarchie einzufügen. Fragen zur künftigen Strategie will er erst nach der Amtsübergabe beantworten. Nur zum Rückschlag bei der angestrebten Übernahme der Airbus-Werke äußerte er sich dann doch: „Wir werden auch andere Wege finden, das Geld so auszugeben, dass der Konzern weiter wachsen kann.“ Das Unternehmen sucht nach einem neuen Geschäftsfeld. Kohlefaserverbundstoffe bleiben nach Brancheninformationen auch nach dem Ausstieg aus dem Bieterwettbewerb um die Airbus-Werke eine Technologie, für die sich Voith stark interessiert.

Warum Lienhard das Rennen um den Chefposten gemacht habe, beantwortet Rogowski persönlich. „Wir hatten es nicht leicht.“ Mit 57 Jahren ist der verheiratete Familienvater zweier erwachsener Kinder der Älteste im Vorstand. Und es gehe bei einer solchen Entscheidung auch darum, wie der neue Chef von seinen künftigen Kollegen akzeptiert werde. Lienhard sei ein ausgesprochener Teamplayer und habe sich große Verdienste bei der Integration von Jagenberg und dem Aufbau der Automatisierungstechnik erworben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der starke Mann bleibt ein anderer

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