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11.11.2008 
RWE

Großmann ohne Glück

von Jürgen Flauger

Ein Jahr ist der RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann im Amt. Seine Bilanz ist ernüchternd: Mit den Methoden, mit denen er es zum Selfmade-Milliardär brachte, kommt er bei dem komplizierten Gebilde RWE kaum voran.

Jürgen Großmann ist bekannt für seinen ruppigen Führungsstil. Foto: ReutersLupe

Jürgen Großmann ist bekannt für seinen ruppigen Führungsstil. Foto: Reuters

ESSEN. Ein Dübel und ein Gecko. Auf dem kleinen Tisch, an dem Jürgen Großmann in seinem Büro im 25. Stock der RWE-Zentrale in Essen Gäste empfängt, liegen der Stahlanker und die Echse nebeneinander.

Der Dübel erinnert an die große RWE-Pleite vor Großmanns Amtsantritt: 15 000 dieser Bauteile hat der Konzern im Kernkraftwerk Biblis ausgetauscht, weil die meisten falsch montiert worden waren.

Der Gecko dagegen, 30 Zentimeter lang, hellgrün und aus Metall, macht dem Chef richtig Freude. Er steht für das Projekt „Gekko“, das neue Gemeinschaftskraftwerk Steinkohle. RWE will es gemeinsam mit 23 Stadtwerken in Hamm, im östlichen Ruhrgebiet, bauen. Zwei Milliarden Euro schwer ist die Investition, ein Viertel davon kommt von den kommunalen Partnern.

Vor über einem halben Jahr hat Großmann dieses Projekt verkündet – ein Projekt mit Symbolkraft, das das Verhältnis des Konzerns zu den Kunden und zu den wichtigsten Partnern, den Kommunen verbessern soll. Seit dieser Zeit liegt das posierliche Tierchen auf dem Tisch im Chefbüro – wie eine Trophäe. Seitdem ist aber nichts Neues hinzugekommen. Keine weiteren Trophäen, keine durchschlagenden Erfolgserlebnisse, keine großen Projekte, die RWE nach vorn und Großmann aus der Defensive bringen könnten.

Ein Jahr ist der Zwei-Meter-Mann nun im Amt. Mit viel Vorschusslorbeeren ist er gestartet und mit ambitionierten Zielen. Er wollte den Traditionskonzern wieder im Ruhrgebiet verwurzeln. „Eine Seele“ solle der Macher, der vor 56 Jahren selbst in der Region geboren wurde, dem Unternehmen wieder geben, ließ Aufsichtsratschef Thomas Fischer letztes Jahr verbreiten.

Das war bei weitem noch nicht alles: Großmann sollte all jene unter den 70 000 Beschäftigten mitreißen, die sich unter seinem oft unterkühlt auftretenden Vorgänger Harry Roels nicht wohlfühlten. Und der Neue sollte den Konzern in eine glänzende Zukunft führen.

Heute ist von Aufbruch nichts mehr zu spüren, stattdessen macht sich im RWE-Reich an Rhein und Ruhr Katerstimmung breit. Großmann hat Deutschlands zweitgrößten Energiekonzern mit einem Jahresumsatz von 43 Milliarden Euro nicht wie erhofft vorangebracht. Der Mann, der einst den Stahlproduzenten Georgsmarienhütte vor der Pleite bewahrte und es zu einem beträchtlichen Vermögen brachte, kommt mit seinen hemdsärmeligen Methoden bei dem komplizierten Gebilde RWE kaum voran.

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