Hanjo Schneider rückt im Februar 2009 in den Vorstand des Versandhändlers Otto auf. Der Hamburger Logistikmanager führte bisher den Paketdienst Hermes Logistik Gruppe (HLG). Der ehrgeizige Hamburger bekommt eine anspruchsvolle Aufgabe: er soll alle europäischen Paketgesellschaften der Otto-Gruppe unter dem Dach einer Holding vereinen.
DÜSSELDORF. Eine Krawatte der Modemarke Hermès hat Hanjo Schneider wohl (noch) nicht im Kleiderschrank hängen. Der 47-Jährige gilt als Bindermuffel. Doch die Verwechslung mit der Edelmarke kann zu einer großen Herausforderung für den Hamburger Logistikmanager werden. Denn "Hermes" steht künftig wohl auch für das gesamte europäische Paketgeschäft des Mutterkonzerns, des Versandhändlers Otto, allerdings ohne Accent grave, dafür mit Hanjo Schneider.
Der charismatische Hamburger mit den blauen Augen rückt im Februar 2009 in den Vorstand des Mutterkonzerns auf und erhält ab sofort eine Sonderaufgabe: "Aufbau eines europäischen Leistungsverbundes der Hermes Europa". Er soll alle Paketgesellschaften der Otto-Gruppe in Europa unter dem Dach einer Holding bündeln. Otto will mit den längst international tätigen Konkurrenten DHL, DPD, GLS und TNT
, hinter denen große nationale Postkonzerne stehen, sowie mit den US-Paketriesen UPS
und Fedex
gleichziehen. Schneider weiß, dass da auch das Image stimmen muss. Die Nähe zur Luxusmarke "Hermès" käme ihm wohl ganz gelegen.
Schneider wird sich auf den neuen Job voll konzentrieren können - und wohl auch müssen. Denn er gibt den Vorsitz der HLG Geschäftsführung an seinen Vertrauten, den langjährigen Hermes-Manager Hartmut Ilek (56), ab.
Schneider, den Mitarbeiter als extrem ehrgeizig bezeichnen, kam 2002 von der Deutschen Post zu Hermes. Seitdem hat er HLG zum größten Rivalen seines alten Arbeitgebers in Deutschland aufgebaut: Ergebniszahlen nennt Otto zwar nicht. Aber der Umsatz von Hermes legte 2007 um neun Prozent auf über eine Milliarde Euro zu. Allerdings macht Hermes 40 Prozent des Umsatzes mit der Mutter Otto.
Künftig dürfte Schneider noch weniger als bisher "aus Spaß an der Freud" zum Golfspielen kommen. Denn nach seinem Gesellenstück mit dem Aufbau von Hermes in Deutschland folgt nun die Meisterprüfung: die Europäisierung.
"Die Integration der europäischen Otto-Töchter unter einem Dach ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe und braucht den ganzen Mann", sagt der Logistikexperte Horst Manner-Romberg. Die Post
-Tochter DHL etwa kann in Frankreich und Großbritannien ein Lied davon singen. In beiden Ländern hatte DHL erhebliche Probleme, ihre Töchter zu integrieren.
Der Anfang der neuen Europastrategie von Hermes ist bereits gemacht. Schneider hat schon Hermes-Paketgeschäfte in Österreich und Italien aufgezogen. Und die Otto-Töchter Parcelnet und Mondial Relay mischen in Großbritannien und Frankreich mit. Nun will Schneider nach Spanien. Hermes Europa kommt vom Start weg auf einen Umsatz von knapp zwei Milliarden Euro - Marktführer DHL erreicht in Europa 6,6 Milliarden Euro.
