Schneider, den Mitarbeiter als extrem ehrgeizig bezeichnen, kam 2002 von der Deutschen Post zu Hermes. Seitdem hat er HLG zum größten Rivalen seines alten Arbeitgebers in Deutschland aufgebaut: Ergebniszahlen nennt Otto zwar nicht. Aber der Umsatz von Hermes legte 2007 um neun Prozent auf über eine Milliarde Euro zu. Allerdings macht Hermes 40 Prozent des Umsatzes mit der Mutter Otto.
Künftig dürfte Schneider noch weniger als bisher "aus Spaß an der Freud" zum Golfspielen kommen. Denn nach seinem Gesellenstück mit dem Aufbau von Hermes in Deutschland folgt nun die Meisterprüfung: die Europäisierung.
"Die Integration der europäischen Otto-Töchter unter einem Dach ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe und braucht den ganzen Mann", sagt der Logistikexperte Horst Manner-Romberg. Die Post
-Tochter DHL etwa kann in Frankreich und Großbritannien ein Lied davon singen. In beiden Ländern hatte DHL erhebliche Probleme, ihre Töchter zu integrieren.
Der Anfang der neuen Europastrategie von Hermes ist bereits gemacht. Schneider hat schon Hermes-Paketgeschäfte in Österreich und Italien aufgezogen. Und die Otto-Töchter Parcelnet und Mondial Relay mischen in Großbritannien und Frankreich mit. Nun will Schneider nach Spanien. Hermes Europa kommt vom Start weg auf einen Umsatz von knapp zwei Milliarden Euro - Marktführer DHL erreicht in Europa 6,6 Milliarden Euro.
