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19.01.2007 
Medien

Hartmut Ostrowski wird neuer Bertelsmann-Chef

Hartmut OstrowskiLupe

Hartmut Ostrowski gilt als Favorit im Rennen um die Bertelsmann-Spitze.

dpa GüTERSLOH. Bertelsmann-Eigengewächs Hartmut Ostrowski wird Europas größten Medienkonzern von 2008 an in ein neues Medienzeitalter führen. Der Aufsichtsrat der Bertelsmann AG bestimmte ihn einstimmig zum Nachfolger von Gunter Thielen (64) als Vorsitzender des Vorstands der Bertelsmann AG.

Gleichzeitig beschloss der Aufsichtsrat, dass Thielen zum Jahresende in das Kontrollgremium wechseln und zu dessen Vorsitzenden gewählt werden soll. Ostrowski ist bisher Chef der zweitgrößten Konzernsparte Arvato. Thielen wird auch den Vorstandsvorsitz der mächtigen Bertelsmann Stiftung übernehmen.

Firmenpatriarch Reinhard Mohn hatte der von ihm gegründeten Stiftung 1993 die Aktienmehrheit an der Bertelsmann AG übertragen. Der bisherige Aufsichtsratschef Dieter Vogel wird nach 20 Jahren in dem Kontrollgremium und davon elf Jahren als Vorsitzender aufhören. Die Position Ostrowskis als Vorstandsvorsitzender der Druck- und Dienstleistungstochter Arvato wird der 41 Jahre alte Rolf Buch, bisher Mitglied im Arvato-Vorstand und dort für den Bereich Direct Services zuständig, einnehmen.

Vor der Entscheidung für Ostrowski als neuen Vorstandschef hatte ein vierköpfiger Personalausschuss mit Eignerin Liz Mohn sowie den Aufsichtsräten Dieter Vogel, Jürgen Strube und Joachim Milberg einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet. Ostrowski galt im eineinhalbjährigen Rennen um den Vorstandsposten als Wunschkandidat der Eignerfamilie Mohn. „Er hat entschlossen unternehmerische Freiräume genutzt und dabei stets ein Höchstmaß an Kreativität und strategischem Weitblick unter Beweis gestellt“, schrieben Liz und Reinhard Mohn in einem Statement. Aufsichtsratschef Dieter Vogel, der nach 20 Jahren aus dem Gremium ausscheidet, attestierte Ostrowski, er sei ein „herausragender Unternehmer.“

Ostrowskis Kontrahent Ewald Walgenbach (47), im Bertelsmann- Vorstand für die Clubgeschäfte zuständig, waren von Anfang an nur Außenseiterchancen eingeräumt worden. Er hatte zuletzt damit geglänzt, die Konzernsparte Direct Group und vor allem den lange Zeit defizitären deutschen Club - nach dem Krieg Keimzelle des modernen Bertelsmann-Konzerns - zurück in die schwarzen Zahlen geführt zu haben.

Der 48-Jährige Ostrowski leitet seit 2002 erfolgreich die Arvato AG (Gütersloh). Mit 47 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund fünf Mrd. Euro gilt Arvato als eine der wichtigsten Sparten des größten europäischen Medienkonzerns. Ostrowski habe Arvato konsequent auf Wachstum ausgerichtet und wirtschaftlich sehr erfolgreich geführt, teilte Bertelsmann am Freitag mit. In diesem Unternehmensbereich hatten auch bisherige Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann wie Mark Wössner, Thomas Middelhoff und Gunter Thielen ihre Manager-Karrieren gestartet.

Bertelsmann hatte im vergangenen Jahr seine selbst gesteckten Verschuldungsgrenzen gesprengt, als das Unternehmen für 4,5 Mrd. Euro Bertelsmann-Aktien des belgischen Finanzinvestors Groupe Bruxelles Lambert (GBL) zurückkaufte. Vorstandschef Thielen hat sich vorgenommen, die Schulden bis zu seinem Wechsel in den Aufsichtsrat zum Jahresende weitgehend abzubauen. Gleichzeitig sollen noch in diesem Jahr die Weichen für die Herausforderungen der Zukunft im Mediengeschäft gestellt werden.

Auf die „revolutionären Veränderungen“ in der Medienwelt dürfe Bertelsmann nicht nur reagieren, forderte er. „Wir müssen uns als Schrittmacher an ihre Spitze setzen.“ Der Konzern hatte im Jahr 2005 rund 18 Mrd. Euro umgesetzt und 1,6 Mrd. Euro operativen Gewinn erzielt. Die Mitarbeiterzahl wird aktuell mit weltweit 95 000 angegeben.

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